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Oktober 2012

Music

Vi älskar Sverige x Mando Diao – “Infruset”

Gustaf Fröding war einer der wichtigsten Lyriker Schwedens. Mando Diao war/ist eine der wichtigsten Bands Schwedens. Also wurden die Jungs 2011 gebeten einige Werke des schwedischen Dichters zu vertonen. Das machte ihnen soviel Spaß, dass sie sich noch im selben Sommer fünf Tage in eine umgebaute Scheune in Dalafloda einschlossen und dort das Album „Infruset“ in ihrer Muttersprache aufnahmen. Ein Album auf Schwedisch: Das war schon immer eine Herzensangelegenheit der Band rund um Frontmann Gustaf Norén. „Wir haben keine besonders guten Texte in Englisch, weil wir die Sprache nicht zu 100% beherrschen. Somit war es geradezu magisch, sich den Texten in unserer Muttersprache zu widmen.“
„I’m falling in love with your favourite Song, I’m gonna sing it all night long, I’m gonna dance with somebody, dance with somebody, dance, dance, dance.“

Recht hat er.

„Infruset“ ist natürlich stark inspiriert von Gustaf Fröding und den romantischen aber zeitgleich auch knallharten Inhalten seiner Gedichte wie u.a. Alkoholmissbrauch oder Prostitution. Das Gute ist: Alle die kein Wort Schwedisch verstehen (und das sind hierzulande ja die meisten), hören auf „Infruset“ einfach schöne Lieder die nach Herbst klingen und vor Allem komplett anders als sämtliche Vorgänger Mando Diao’s.

Hörtipps:

„Sningelns Visa“
„Strövtåg i Hembygden“
„Titania“

„Infruset“ erscheint bei uns am 2.November.

Interieur

Cire Trudon – Limited Editions der Duftklassiker


Cire Trudon – Limited Editions: Odalisque, Roi Soleil und Abd el Kader

Draußen wird es dunkler und das Fest der Liebe ist auch nicht mehr so Lichtjahre entfernt. Wir bekommen wieder mehr Lust, Kerzen anzuzünden und unsere Räume wirkungsvoll, aber dezent zu beduften.
Die eleganteste Art dies zu tun (und garantiert nicht mit Kopfschmerz-Effekt) ist es die Kerzen der Manufaktur Cire Trudon aus Paris zu benutzen. Cire Trudon ist die älteste und traditionsreichste Manufaktur und hat schon für Ludwig XIV. und Napoleon deren Wachs- und Duftkerzen geliefert:
Seit 1643 werden sie hergestellt – selbstverständlich, wie könnte es auch anders zu der Zeit sein, werden ausschließlich Naturstoffe verwendet. Bis heute kommen sie ganz ohne chemische Zugaben aus und alles wird nach wie vor in einer kleinen Manufaktur in der Nähe von Paris gemacht.

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Allgemein

TV Tipp: ‚Bienvenue im Kleidermarkt‘ – heute 00:00Uhr N3


‚Bienvenue im Kleidermarkt‘; Screenshot via Filmfest

Es ist mal wieder Zeit für einen TV Tipp, bzw. ist es eher ein Reminder: vor ein paar Wochen wurde im Zuge des Filmfestes Hamburg die Dokumentation ‚Bienvenue im Kleidermarkt‘ uraufgeführt. Peter besuchte damals für uns die Premiere und widmete später Antonia Hilke, der Modejournalistin um die es geht in dem Film geht, eines seiner Cuttings: Peter’s Cuttings – Sternstunde mit Antonia Hilke.
Regie führte bei dieser sehr sehenwerten Hommage über die „Grande Dame“ des deutschen Modejournalismus Oliver Schwabe; ergänzt werden die Originalaufnahmen von damals um Interviews mit Weggefährten Hilkes, Fans und Verehrern – so verspricht es die Seite des Filmfestes und es hört sich nach großartiger Unterhaltung um Mitternacht an.

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Allgemein Music

„Ich möchte nicht über meinen Style definiert werden, sondern über meine Musik“ x Miriam Bryant im Interview

Miriam Bryant gilt als große Neuentdeckung des Jahres. Bereits nach den ersten acht Monaten ihrer Gesangskarriere, bekam sie einen internationalen Plattenvertrag angeboten. Und nahm ihn an. Ihre Debutsingle „Finders Keepers“ ist dramatisch und gewaltig. Genau wie ihre Stimme die klingt als würde sie seit 19 Jahren rauchen – rau und erfahren eben. Ich sprach mit dem 21-jährigen Stimmwunder über die Backstreet Boys, zweimal Victor und Erwartungsdruck.

Man sagt du seist „das Beste aus drei Welten“. Was bedeutet das?

Ich glaube das bedeutet, dass ich die Melancholie aus Finnland mit dem Pop-Einfluss aus Schweden verbinde. Und was war das Dritte nochmal? (lacht) Ich habe das ehrlich gesagt gar nicht selber gesagt. Das war mehr nach dem Motto: Du bist das. Ich denke es kommen einfach mehrere Einflüsse zusammen die ein Ganzes ergeben.

Es wurde auch das musikalische Erbe deines Vaters erwähnt.

Ja das betrifft die Musik die mein Vater hörte als ich noch jung war. Also Pink Floyd, Deep Purple, Neil Young und Bob Dylan. Ich war sozusagen gezwungen diese Musik zu hören. Das hat mich natürlich sehr beeinflusst.

Kam dadurch auch deine frühe Musikbegeisterung?  

Ich habe generell sehr viel Musik gehört. Ich war totaler Backstreet Boys Fan. Die habe ich geliebt und ich war total in AJ verknallt.

Der Alkoholiker …

Ja genau der (lacht). Ich habe allerdings erst vor einem Jahr wirklich angefangen Musik selber zu schreiben.

Und woher nimmst du seitdem deine Inspiration?

Von Menschen die ich treffe, Musik die ich höre, insbesondere instrumentale Musik wie zum Beispiel Klassik.

Die in Stücken wie „Raised in Rain“  in Form des Klaviersolos rauszuhören sind. Spielst du selber?

Nein mein Freund Victor spielt Klavier. Er hat auf dem Album gespielt und auch live mit mir, aber ich habe nun einen neuen Victor.

Schon wieder einen neuen Victor?

Ja der heißt aber auch Victor.

Robyn hat mal in einem Interview gesagt, dass der Schreibprozess bei ihr wie eine Art Vulkan funktioniert. Das heißt wenn es aus ihr ausbricht muss sie alles schnell aufschreiben, sonst ist es weg. Wie schreibst du deine Songs?

Alle Songs sind sehr persönlich. Es geht um Leute die ich liebe, hasse bzw. gut oder schlecht finde. Ich entscheide aber im Voraus nicht über die Themen der Songs. Wenn etwas passiert worüber ich schreiben möchte dann tue ich das. Ich würde das nicht wie eine Art Vulkan bezeichnen. Ich denke sie meint damit alles zu skizzieren und zu notieren bevor man den finalen Text schreibt. Das ist wie Mindmapping. Was dir in den Kopf kommt schreibst du auf und zum Schluss fügst du die besten Stücke zusammen.

Und sitzt Miriam Bryant dann im Zimmer und schreibt ihre Songs?

Nein letztendlich ist es so, dass Victor am Piano sitzt, ein paar Akkorde spielt und ich dann darauf texte. So kommt alles zusammen.

Hast du musikalische Vorbilder?

Ich liebe Bon Iver und James Blake. Den finde ich großartig. New Wave und Instrumentalmusik sind wie gesagt auch große Inspirationen für mich.

Immer wenn ich deine Songs meinen Freunden vorgespielt habe hieß es: Wow die klingt ja wie Adele! Ich denke mal das hast du schon öfter gehört?!

Oh ja (lacht)

Nervt dich das?

Es gibt keinen Grund dass mich das nervt. Leute vergleichen immer neue Acts mit bereits Etablierten. Und ich bin natürlich sehr froh mit Adele verglichen zu werden. Sie ist wahnsinnig talentiert.

„Finders Keepers“ und insbesondere deine Stimme wird hochgelobt. Die Erwartungen an das Album sind dementsprechend groß. Setzt dich so etwas unter Druck?

Da mache ich mir gar keinen großen Stress. Ich bin ehrlich gesagt einfach nur wahnsinnig aufgeregt und stolz, da ich das Album ganz toll finde und jeden einzelnen Song liebe. Ich denke es wird den Leuten gefallen.

Wo wir gerade dabei sind: Wie wird es klingen?

Es ist ein Mix zwischen Pop, Klassik und elektronischer Musik. Zentraler Punkt sind meine Texte die mir sehr wichtig sind. Es wird Songs wie „Finders Keepers“ geben aber auch Songs die ganz anders klingen. Es gibt einen A capella Song der recht minimalistisch ausgefallen ist. Den haben wir am Laptop eines Freundes aufgenommen. Es wird viele Intros und Outros geben in denen vielerlei Einflüsse von Pop über Klassik bis hin zu Elektro zu finden sein werden.

Dennoch spiegelt „Finders Keepers“ die Seele des  Albums wieder.

Ich muss dich natürlich als Schwedin auch etwas über Fashion fragen.

Großartig! Schieß los.

Wie wichtig ist Fashion für dich und deine Musik?

Ich denke es ist wichtig immer bestmöglich auszusehen und dich so anzuziehen dass du dich wohl fühlst, aber letztendlich schaut man sich Musik ja nicht an sondern hört sie. Mode ist wichtig für das ganze drum herum. Der persönliche Style ist natürlich wichtig um einen Wiedererkennungswert zu haben wie zum Beispiel Lady Gaga. Ich denke jeder Künstler hat seinen Style aber ich möchte nicht über meinen Style definiert werden sondern über die Musik.

Und wie bezeichnest du deinen Style? Ich tippe auf Vintage.

Ja genau ich liebe Vintage Klamotten und versuche immer cooler zu sein als ich bin (lacht). Ich mag Urban Outfitters, American Apparel und mag diesen Print meiner Jacke (siehe Headerbild) aber auch viel Schwarz. Oh Gott ich bin es gar nicht gewöhnt über Mode zu sprechen.

Wenn du darüber bestimmen könntest: Wie würdest du deinen Freund anziehen?

Jeanshemd bis oben geknöpft, schwarze Jeans und DocMartens. Dazu einen Hut.

Ist er ab und zu dabei wenn du beruflich unterwegs bist?

Nein leider nicht. Aber er ist immer in meinen Gedanken … oh Gott das klang jetzt klischeehaft oder?

Allgemein

Was soll man dazu denn anziehen? Heute der tolle Rucksack von Property Of…

Mein Horst hat mir vor einigen Tagen diesen grandiosen Rucksack vom Label Property Of… geschenkt. Das Model heisst Hector und ist irre leicht, perfekt für die Fahrt mit dem Fahrrad ins Büro. Auch bei Nieselregen, denn der Rucksack ist aus gewachstem Canvas und somit Hamburger Wetter tauglich.
Mal sehen zu welchen Looks er sich auch noch kombinieren lässt…

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Allgemein

Maison Martin Margiela x H&M @ eBay


Bei H&M ab 15.November 99€, bei eBay etwas über 600€; Bild: Screenshot eBay

Eigentlich wollte ich der Kooperation der schwedischen Textilkette „H&M“ mit Margiela gar nicht mehr erwähnen und eine Leserin fragte schon nach, warum wir überhaupt Werbung dafür machen. Es ist natürlich keine Werbung die wir für „H&M“ veranstalten, sondern wir berichten einfach drüber. Wie auch immer – für diejenigen unter euch, die sich zum regulären Verkaufsstart am 15.November nicht morgens früh in die Schlange des schwedischen Discounters stellen möchte, für den hätte ich einen Tipp: findige Gäste der H&M x Margiela Supersause in New York schlugen beim Pre-Shopping ordentlich zu und verhökern ihre Errungenschaften nun bei eBay.

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Allgemein

Die Woche auf Horstson

Ich muss heute meine innere Uhr bekämpfen. Kann man dieses dusselige hin und her mit unserer Uhrzeit nicht mal abschaffen? Ach, was rege ich mich auf, interessiert doch eh keinen 🙂
Kommen wir zu relevanten Themen… Hier ist der wöchentliche Rückblick an handerlesenen Artikel auf Horstson, Eurem Lieblingsblog.
1) Am Dienstag ging es um die Duft-Kollektion ‚Les Exclusifs‘ von Chanel. Natürlich geschrieben von Peter.
2) Peters Artikel über Raf Simons und dessen Schaffen im Hause Dior deklariere ich als grandiose Liebeserklärung. Unbedingt lesen.
3) Ran an die Stricknadeln. Jan Who präsentierte am Donnerstag das perfekte Handarbeit-Set für lange Nachmittage. Mir fehlt leider das Geschick für Strickarbeiten, über einen selbstgestrickten Schal würde ich mich daher sehr freuen…
4) Am Dienstag bot Horst einen ersten Einblick ins Sommer-Lookbook von Tom Ford.
5) Eine Satire der besonderen Art in Buchform stellte uns Jan Who am Mittwoch vor. Es geht um den kleinen braunen Österreicher mit dem miesen Oberlippenbart…
6) Um mein zweitliebstes Muster nach Streifen ging es am Montag in Peter’s Cuttings: Verrückt nach Schottenkaros.

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Skinny Minnie


Minnie Mouse in Lanvin, Goofy in Balmain, Daisy Duck in Dolce & Gabbana; Foto: Barneys

Minnie Mouse hat eigentlich eine ganz normale Figur – zumindest wenn man ihre Herkunft und ihre Gattung berücksichtigt. Sie trägt ein Kleid und eine Schleife, die auch aus der Louis Vuitton x Yayoi Kusama Collaboration stammen könnte und kombiniert dazu bequeme Ballerinas in gelb. Das sieht zwar nicht sonderlich schön aus, allerdings hat man sich dran gewöhnt. Ähnlich modisch uninspiriert stylen sich eigentlich alle Disney Charaktere und das ist auch gut so – schließlich stehen nicht die Klamotten, sondern die Geschichten in Entenhausen im Vordergrund.

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Allgemein

Christian Dior Couture – Das Ass im Ärmel der Mode

Scheinbar wird der Rhythmus der Mode schneller: das Jahr ist fast vorbei und so mancher erinnert sich noch nicht einmal daran welche Kleider uns im Januar in Paris, Mailand oder New York gezeigt wurden. Es ist viel passiert in der Fashion-Branche, dass Personalkarussel hat sich gedreht, zahlreiche Firmen wurden von einem Konzern zum anderen verkauft, die Konsumenten von gestern in den Highend Bereichen der Mode haben sich in den letzten fünf Jahren um einen halben Erdball verschoben und eigentlich hat, was den Konsum von Luxusartikeln betrifft, auf der Erzeugerseite Europa deutlich zugelegt, beim Kauf derselben allerdings schon fast den Standard der Gewinner von heute in früheren Jahren erreicht.

Die meisten „Modelabel“ haben sich auf die Veränderungen eingestellt und so kommt unser Unverständnis gegenüber vieler Luxuskollektionen ganz klar dadurch, dass unser Geschmack gar nicht mehr getroffen werden muss, weil die Käufer aus ganz anderen Kulturkreisen kommen.
Dass dieses nicht so sein muss und überhaupt, dass auch noch in wechselhaften Zeiten Kollektionen Manifeste sein können, Sternstunden der Mode und dazu noch das Zeug haben, später als von nachhaltiger Gültigkeit gelten zu können, hat in diesem Jahr ein Mann bewiesen.
Raf Simons ist nicht nur der neue Creativ Direktor von Dior für das Prêt-à-Porter und die Haute Couture, sondern er ist auch der Stille und hochkulturelle Lehrer, der es uns in diesem Jahr gezeigt hat, dass man ohne großes Brimborium Weichen stellen kann.
Das Kunststück sich in ein Haus einzuarbeiten, deren Begründer schon vor der eigenen Geburt gestorben war, ist schon keine leichte Aufgabe. Prêt-à-Porter zu entwerfen – gut, werden die meisten sagen – hat er ja schon jahrelang für Jil Sander gemacht, ist schwierig. Sich in den Stil einer Frau einzufinden, die eher Konfektionärin war und das in einem Stil, der sicherlich Raf Simons während seiner Ausbildung und Anfangszeit als Jil Sander auf dem Zenith ihres Ruhmes war, eher vertraut und Leitbild war als damals Dior, ist schon keine leichte Aufgabe gewesen. Klarheit liegt ihm und gekonnter Purismus auch.
Aber Haute Couture und das in den Wurzeln und der Denke eines Mannes, der sein Unternehmen begründete, als die Welt sehnsüchtig sich nach Opulenz, Weiblichkeit und romantischen Roben sehnte, weil es fast zehn Jahre keinen Glamour auf der Erde gegeben hatte, weil Krieg, Vernichtung und Völkermord geherrscht hatten, zu schaffen, ist kein Husarenstück.
Außerdem ist Haute Couture eine Art Symbiose oder Geheimbund, der nicht einfach von einem Designer entworfen wird und dann gemacht wird. Vielmehr ist es das Zusammenspiel von Ateliers, Handwerkern den Zulieferern wie Stickern, Webern, Kürschnern, Hutmachern, Blumen- und Knopfherstellern etc. und natürlich dem Couturier.

Die Ateliers-Kleider, Blusen und Röcke müssen genauso ihren Anteil haben, wie die für Mäntel und Kostüme. Die Zusammensetzung und das Ritual einer Couture Kollektion gleicht einer Volkswirtschaft im kleinen und alles muss sein Gleichgewicht haben. Die Symbole, Stilelemente, Eigenschaften der Marke und der Sehnsucht der Trägerinnen haben sich genau für die Kleider des Hauses zu entscheiden. Bei Haute Couture geht es um Kleider, nicht um Accessoires die überall verkauft werden oder um Dinge, die in den Boutiquen von Dior verkauft werden und multiplizierbar sind.
Couture ist das Laboratorium des Hauses, in dem neue Stoffe, teure Handwerkstechniken, Stickereien und Perfektion verwendet werden können, weil der Preis keine Rolle spielt. Trotzdem müssen diese Kleider haargenau das Kleid sein, das die Kundin sich wünscht und das sie von Dior erwartet. Es soll auch noch ein Aushängeschild und Vorreiter für die Prêt-à-Porter sein und es soll auch noch Furore bei der Presse machen – das ganze auf weniger als sechzig Modelle beschränkt. Schon diese Anzahl verschlingt Unsummen an Entwicklungskosten und ist selbst für alte Hasen kein Pappenstil.

Raf Simons hat mit seiner Herbst/Winter Haute Couture eine Key-Collection geschaffen, die für mich der absolute Gewinner des Jahres ist und ein Lehrbuch-Beispiel, wie man sich perfekt in die Welt, die Tradition und die Zukunft Diors einarbeitet und genau die Version herausbringt, die man sich für das 21.Jahrhundert vorstellen könnte.
Ganz klar hat er sich bei den Vorbereitungen auf die zehn Jahre des Namensgebers des Hauses konzentriert und die Codes dechiffriert. Christian Dior war eine Art phantasievoller Architekt der Mode und das hat sicherlich Raf Simons sehr gefallen und ihn, der für sein fabulöses graphisches Auge bekannt ist, angespornt, die Codes in die Architektur des 21.Jahrhunderts zu übersetzten. Moderne „Pure Couture“ wird durch diese Kombination geboren.

Als Debut Kollektion muss man das Statement setzen, dass man das Haus verstanden hat aber auch seine eigene Handschrift zeigen will. Diese Symbiose ist ein gewagtes Vabanque Spiel, das ihm wiederum besonnen und gut gelungen ist. Raf Simons hat sicherlich in den Dior-Archiven und der Handschrift des Hauses ein ungeheures Potential zur Verfügung. Dank seiner Begabung wird er es geschickt nutzen, seinen eigene Handschrift langsam zu verstärken und mit den Potenzialen nicht nur weiter zu spielen, sondern sie auch weiter zu entwickeln.
Raf Simons gehört zweifellos zu den größten Ausnahme-Designern, der eines der größten Hoffnungen der Branche ist und dem man vieles Unmögliche durchaus zutraut. Mit Spannung erwartet man jetzt schon wie es weiter geht und wie er für Überraschungen sorgen wird. In diesem Jahr ist er für mich der innovativste Designer und Dior hat einen fulminanten Griff getan und kann sicherlich beruhigt in die Zukunft der Couture schauen. Denn keiner macht Couture aktueller denn je – Raf Simons für Christian Dior.