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27. Februar 2011

Allgemein

Fünfzig Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs in hochhackigen Schuhen – Germanys Next Topmodel, Staffel sechs

Supermodels, Topmodels, Models, Models, Models, Models… Mädels, es gibt schon viel zu viele von euch. Agenturwände rund um den Erdball sind voll mit den SED-Cards von Models, die Models sind, um Model zu sein. Und nun kommen noch ein paar Karteileichen dazu, von Heidi Klum höchstpersönlich dazu auserkoren und von ihren beiden neuen Jury-Sidekicks, einem Creative Director namens Thomas Hayo, und dem Designer Thomas Rath, unterstützt. Schon kommenden Donnerstag geht es los. Ui, so bald schon! Da kämpfen dann wieder hübsche Mädchen von nebenan auf mehr oder weniger langen Beinen darum, die Nachfolge von Backfisch Lena Gercke, dem Rothaarwunder Barbara Meier, der immerhin sehr langbeinigen Jennifer Hof, der aufdringlichen Betriebsnudel unter den Topmodels, Sara Nuru, und nicht zuletzt von Exotin Alisar Ailabouni, die als Österreicherin sowas wie ein GNTM Unfall ist, anzutreten. Das bedeutet dann für die neue Gewinnerin, Germanys Tomodel Nummer sechs, im günstigsten Fall, ein paar lukrative Werbejobs bei Deutschen Werbetreibenden abzustauben, die diesen – nicht internationalen – Mädchen ohnehin am meisten bringen. Und, entlang der Verwertungskette, die der Sender ProSieben rund um die Teilnehmerinnen und Gewinnerinnen der Staffeln bildet, als Gast von Show zu Show zu tingeln … mit Marie Nasemann über den Roten Teppich wackeln zu dürfen … die singt ja mittlerweile als O bei Rio, der ersten Model-Girlband Deutschlands und war mit ihren unmusikalischen Girlband-Kolleginnen R und I, unter denen immerhin auch die Freundin von einem der beiden Ochsenknecht-Söhne sein soll, immerhin schon bei Stefan Raab.

Kennt eigentlich irgendjemand von euch den Lambertz Kalender? Das ist so eine Art süße Ausgabe des Originals von Pirelli, in dem Heidis Topmodels in spe neben anderen Topmodels wie Sandy Meier Wölden und Monika Ivancan ab und an – bis zur Unkenntlichkeit kostümiert – zu sehen sind. Wenn ich Herr Dr. Hermann Bühlbecker wäre, würde ich meinen nächsten Kalender mit echten Topmodels und einem Top-Fotograf produzieren, um in die Liga des großen Vorbilds vorzustoßen… aber natürlich ist es sehr verlockend, mit der Buchung eines der Mädchen aus GNTM extra kostenlose Werbezeit in den Magazinen auf ProSieben und Sat1 zu bekommen, wo die Making-Of-Berichte dieser Produktionen rauf und runter gezeigt werden. Man gewinnt überhaupt den Eindruck, dass Germanys Next Topmodel mit seiner überaus ergiebigen Verwertungskette an Kurzbeiträgen für alle möglichen Formate und Sendungen hauptsächlich ein kostengünstiger MAZ-Materiallieferant sein soll.

Nun gut, damit ihr euch an die Gesichter der Gewinnerinnen erinnert, bevor die fünfzig Kandidatinnen der sechsten Staffel mit ihrer Schönheit alles auslöschen, hier noch mal alle Cosmopolitan Cover, die ja sowas wie der Hauptgewinn für das Topmodel sind. Ihr kennt das, nirgends wird so viel geflennt, gezittert und halb zusammengeklappt wie vor dem Blanko eingeblendeten Cover der Cosmopolitan in der Entscheidungsshow von Germanys Next Topmodel. Verglichen damit, fallen die Ergebnisse der Covershoots immer sehr mau aus; obwohl die (von Staffel zu Staffel immer fragiler wirkende) Chefredakteurin der Cosmopolitan, Petra Winter, höchstpersönlich mit Heidi und dem Fotograf daran arbeitet, dass alles superperfekt wird. Was soll also diesmal anders laufen? Natürlich hat Heidi geschickt lancieren lassen, dass es die Mädchen in Staffel sechs mit den strengsten Richtlinien und Regeln zu tun bekommen, die es jemals bei GNTM gab. Aber macht das die Mädchen geeigneter, die sich bei dieser Castingshow bewerben? Nein, nein und nochmals nein. Jedes schlaue Mädchen weiß, dass man, wenn man denn dafür geeignet ist, Model zu sein, einfach bei der besten Agentur in seiner Stadt zu einem der Casting Calls geht und sich von den Fachleuten dort ansehen und vermessen lässt, um am Ende des kurzen Intermezzos in einer echten Modelagentur zu erfahren, wie denn die Chancen für eine Modellaufbahn eingeschätzt werden. Alles andere ist Casting-Show-Klimbim. Viele der Mädels, die an GNTM teilnehmen, wissen das natürlich und tun es trotzdem, um den Blueprints all der schon in den vorangegangenen Staffeln nicht für den Beruf geeigneten Mädchen und Frauen, für die danach aber beim Fernsehen immer mal ein paar Krümelchen abgefallen sind, nach zu ahmen. Fiona Erdmann, Gina Lisa Lohfink, Anni irgendwas und Sarah Knappik aus dem Dschungelcamp und wie sie alle heißen mögen, verdienen heute als moderne Tingeltangel-Mademoiselles im Fernsehen mehr als in ihrem nicht erlernten Beruf, mit dem nicht begonnenen oder nicht abgeschlossenen Studium. Und das ist auch der einzige Grund, weshalb mir keines der Mädchen leidtun wird, wenn Heidi und ihre neuen Folterknechte das eine oder andere Mal kräftiger zulangen werden.

Aber so viel will Daisy allen Topmodel-Berufsanwärterinnen bei GNTM und sonst wo auf der Welt noch mit auf den steinigen Weg geben: Wenige Berufskarrieren sind ebenso unwahrscheinlich, wie die eines Topmodels. Nobelpreisträger und Academy Award Winner sind schließlich auch keine realistischen Berufsperspektiven. Heute gibt es überall auf der Welt eine derartige Schwemme an Models und solchen Mädchen und Frauen, die ganz dringend welche werde wollen, dass es selbst für bekannte und gute Models immer schwerer wird, aus dieser ungesunden Masse heraus zu glänzen. Heutige Topmodels verdienen erheblich weniger, als die Generation davor. Von einem Vergleich mit Kate Moss und Gisele Bundchen ganz zu schweigen. Ausnahmen sind nur die Models mit Major Contracts bei Beauty Companies oder die Handvoll Glücklicher, die in den Katalogen und auf PR-Veranstaltungen von Victorias Secret rumturnt, denn auch dort ist das gute Geld entgegen hartnäckigen Gerüchten nicht damit verdient, dass man in der Show über den Laufsteg schwebt. Natürlich arbeiten die bekanntesten Models der Welt auch für schnöde Werbekunden rund um den Erdball, mit deren Honoraren die Illusion vom bestens bezahlten Topmodel, das die tollsten Shows läuft und schon auf dem Cover der Vogue war, überhaupt erst aufrecht erhalten werden kann. Für Moulinex, Danone oder eine der vielen Consumer Brands zu werben oder mehrtägige Katalogshoots zu bekommen, damit verdienen heutige Topmodels das gute Geld. Aber die verdienen zumindest gut.

Wenn man aber in den Modelagenturen mal durchzählt, wie viele Models in nur einer Agentur „unter Vertrag“ sind, und dann die Zahl der Models mit – für diesen Beruf angeblich ganz bescheidenen – monatlichen Einkünften pro Person hochzurechnen versucht, dann kommt man bei mehreren hundert Models in jeder Agentur auf abstruse Umsätze, die so ja nie erzielt werden können. Wenn jedes Model im Schnitt 3.000 Euro Honorarumsatz pro Monat und Agentur erzielen würde, dann wären das bei 350 Models, die in einigen Deutschen Agenturen im Pool sind, rund 12.600.000 Euro Honorarumsatz, den diese Agenturen mindestens lukrieren würden… die Realität sieht deutlich bescheidener aus. Mindestens ein Drittel aller Models mit SED-Card arbeitet nicht. Ein weiteres Drittel nur sehr sporadisch, also ein bis dreieimal pro Jahr. Das letzte Drittel teilt sich in eine Spitze, die von wenigen Models im Stall gebildet wird, die in Deutschland und/oder international gut arbeiten. Der Rest bringt gute Umsätze durch ganz normale Katalog- und Werbeshoots. Die Wahrscheinlichkeit, dass man zu ersterem oder zweitem Drittel der Models zählen wird, steigt mit der Überzahl an hübschen Mädchen täglich an.
Darüber, ob man beizeiten an ein Shooting mit einem der besten Fotografen der Welt kommt und dann mit dieser Referenz im Modelbuch neue Kunden geködert werden können, entscheidet neben dem blendenden Aussehen und der Erfüllung unwirklicher Voraussetzungen alleine Glück und nicht Fleiß und Biss und Ellenbogen, wie Heidi das so gerne postuliert. Heidis Glück war, dass sie mit ihrem fabelhaften Körper dem Fotograf Robert Erdmann auffiel, der gerade für das Cover der Sports Illustrated castete. Heute gibt es fünfmal so viele Models, die alle irgendwie nicht hässlich oder krumm gewachsen sind, da wird aus der Wahrscheinlichkeit, solches Glück wie Heidi zu haben, ganz schnell eine Unwahrscheinlichkeit von 100 Prozent. Werdet also lieber Neurochirurginnen, Oberstaatsanwältinnen oder Vorstandsvorsitzende der DeutschenBank, das ist leichter zu erreichen. Daisy ist aber gespannt, wie sich die handverlesenen fünfzig Hühner, die ab Donnerstag wöchentlich zu sehen sein werden, in Heidis Glitzerwelt bewähren. Und, wer weiß, vielleicht ist ja wirklich mal eine dabei. Kommt mir jetzt bitte nicht mit Vanessa Hegelmaier, die es alleine geschafft haben soll. Topmodel-Karrieren zu erfinden, das langweilt und ist uncool…

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Die Woche auf Horstson

Der Vollständigkeit halber: John Galliano wurde Freitag von Dior suspendiert, weil er sich gegenüber einigen Besuchern des La Perle in Paris antisemitisch geäußert haben soll. Das ist natürlich verwerflich und wir sind gespannt, was bei den Ermittlungen rauskommt und ob John Galliano trotzdem das Hochzeitskleid für Kate Moss entwerfen wird.
Nachdem wir das Thema jetzt auch abgefrühstückt haben, können wir ganz entspannt auf die vergangene Woche auf Horstson zurückblicken. Hier die Highlights:

1) Die ersten Anzeichen das der Frühling sich nähert? Die neuen Mäntel sind da! Kein Woolrich, kein Moncler sondern nur ehrliche Mäntel
2) Es hat wieder geklappt und die Kollektion war phantastisch – nur an den Nerzkappen scheiden sich die Geister: BURBERRY PRORSUM’s LIVESTREAM WOMEN wurde wieder auf Horstson übertragen
3) Wenn eine Hose ein adäquater Ersatz ist, dann eine Chino – und warum nicht mal eine von Dockers? Hier gehts zum Lookbook
4) Letztes Wochenende wurde in Hamburg gewählt, im Augenblick auf Horstson: Ist das nun Mode von Charlie Le Mindu oder Mist? Wer zur Zeit vorne liegt, siehst Du hier
5) Sollen sich 15 jährige Mädchen in sexy Posen im heimischen Kinderzimmer zwischen Barbie und Bacardi fotografieren? Wir meinen ‚Nein!‘, fragen uns aber woran es liegt das sich Mädchen in Strapsen auf ihrem Blog zur Schau stellen und warnen vor den Sprung kopfüber in die Zuckerwatte
6) Wenn man auf eine einsame Insel fährt, was nimmt man da an Klamotten mit, damit man immer perfekt angezogen ist? Nicht viel – wenn man etwas aus der Baldessarini Signature Automne Hiver 2011 Kollektion mitnimmt