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14. September 2012

Allgemein

Blogs sind die Klowände des Internets…

Dieser Meinung war zumindest Jean-Remy von Matt, als sich im Jahre 2006 im Internet einige Blogger über die JvM „Denn du bist Deutschland“-Kampagne lustig gemacht haben, die gegen die vermeintliche Miesepetrigkeit der Deutschen gerichtet war. Etwas später revidierte der Werbemann seine Aussage: Die Klowände seien ein Symbol für „das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität“ und ergänzt dann „Vielleicht klang auch etwas Neid auf euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet.“* Jetzt musste ich etwas stutzen: wird wirklich immer lange abgewogen, bevor eine Kampagne veröffentlicht wird?

Ich habe, wie vermutlich ein paar Millionen andere Menschen auch, am Mittwoch Stern TV gesehen, wo dem staunenden Publikum die Auflösung um die ominöse Internetseite KEU/UDLWH 54154/5/054 präsentiert wurde, auf der man ein vermeintliches Experiment beobachten konnte, bei dem ein Schwein im Labor mit UV-Strahlen verbrannt wird. Das alles mehr (Maske des Schweins) oder weniger (Ikea-Stühle) aufwändig inszeniert und die Seite sorgte „…in den vergangenen Tagen für eine Welle der Empörung im Internet. Hundertausende Internetnutzer – insbesondere junge Menschen – diskutierten das Experiment.“ – so wird zumindest auf der Seite des Auftraggebers der viralen Kampagne, der Krebshilfe, stolz vermeldet. Von den besagten hunderttausenden jungen Inernetnutzern kannte ich ehrlich gesagt keinen – in meinem virtuellen Facebook-Freundeskreis tauchte die Seite nur einmal auf, allerdings nicht mit einem Aufschrei, dass auf „KEU/UDLWH 54154/5/054“ ein Tierversuch zu sehen sei, sondern das es sich vermutlich um eine virale Film-Kampagne handelt, diskutiert wurde auch, allerdings nur um welchen Film es sich dreht.

Damit nun eine virale Kampagne bekannt wird, benötigt man Menschen, die diese streuen – im Fall der aktuellen Kampagne war dafür ein Berufsjugendlicher verantwortlich: Nils Bokelberg. Bokelberg veröffentlichte ein paar Posts auf seinem Facebookprofil („Nochmal wegen diesem Schweine-Gedöns von gestern. Ich will verdammt nochmal wissen, was das ist! Und wenns ein Viral ist, dann will ich wissen wofür!“) und einen offensichtlich gestellt-erschrockenen Artikel namens „Ein Schweinchen namens WTF“ auf seinem Blog Weltfrieden und siehe da: Einige Leser haben wirklich gedacht, dass ein Schwein peu á peu verbrennt und sorgten dafür, dass die Seite offline genommen werden musste und vermutlich auch, dass gegen die Seitenbetreiber bzw. gegen den vermeintlichen Tierversuch ermittelt wird. Von hundertausenden Internetnutzern sind wir aber immer noch weit entfernt und Bokelberg sieht sich einem Problem ausgesetzt: auf seinem Blog wird mittlerweile nachgefragt wird, woher er überhaupt von der Seite KEU/UDLWH 54154/5/054 wusste und sich die offizielle Version von ihm eher schwammig anhört: „Ich hab das von einem Bekannten aus München geschickt bekommen, der eigentlich mit Medien nix am Hut hat.“ Aha. Was in Bokelberg in dieser Zeit vorgegangen ist, kann man nur orakeln und Anhand einer mittlerweile veröffentlichten Entschuldigung, dass er seine Leser für 10 Tage ver****** hat, nachlesen. Diese Entschuldigung hätte ich eigentlich von der verantwortlichen Werbeagentur Jung von Matt erwartet und nicht von Bokelberg, der sich mit Sicherheit der Tragweite nicht bewußt war und, einfach ausgedrückt, in etwas hineingeschliddert ist, wie man in etwas hineinschliddert wenn man begeisterungsfähig ist und sein Herz am rechten Fleck hat.
Jung von Matt hätte in meinen Augen etwas mehr Weitsicht beweisen sollen: Kein Mensch lässt sich lange und so drastisch hinters Licht führen und das hätte den feinen Herren von Jung von Matt auch klar sein müssen, denn „jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet“, um nochmal das Zitat von Jean-Remy von Matt aufzugreifen. Wurde wirklich lange abgewogen und wurde auch bedacht, dass die ganze Aktion nach hinten losgehen kann oder war der Reiz des kalkulierten viralen Skandals größer? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen ist: Spendet trotzdem der Krebshilfe Geld – vielleicht reicht das Geld nächstes Mal für eine vernünftige Kampagne mit einer klaren Message, um auf die Gefahren von UV-Strahlung hinzuweisen, denn darum ging es bei dem vermutlich größten Web-Fail des Jahres – oder wie denkst du über die virale Kampagne?

*Quelle: Spiegel Online

Allgemein

Kann nicht jeder tragen…

Siehe da: im Januar hatten wir uns noch gefragt, wer die Kollektion von Thom Browne für Herbst/Winter 2012 trägt und schon überrascht uns die Vogue Hommes Japan in ihrer Fall/Winter Ausgabe mit der Antwort: beim Model Joe Collier sieht das zwar immer noch nicht alltagstauglich aus, aber auch nicht mehr wie eine Mischung aus Frankenstein, Herman Munster und Quasimodo. Und es macht einen wirklich knackigen Po. Immerhin!