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(Neue Meister V; Bild: DRIVE. Volkswagen Group Forum)

Visionäre Virtuosen – Kürzlich war es wieder so weit, das Kammerorchester (DKO) Berlin und Label Neue Meister setzten im DRIVE. Volkswagen Group Forum ihre Konzertreihe fort. Bereits zum 5. Mal wurden hierfür renommierte Komponisten / Musiker geladen und tauchten die vielseitig genutzte Kommunikationsplattform des Volkswagen Konzerns in einen Klangteppich der besonderen Art – futuristisch, experimentell, ansprechend. Vor gut einem Jahr hatte ich erstmals auf Horstson über das innovative Format geschrieben und erhielt vor Ort einen Einblick in die Zukunft von Klassikmusik. Das war gleichermaßen spannend und an der ein oder anderen Stelle durchaus Neuland für mich. Dieses Mal habe ich mich gründlicher vorbereitet, Frau Mama rät zurecht: „In ein Konzert Neuer Musik stolpert man nicht einfach rein, sondern scannt vorab das Oeuvre der ausführenden Künstler!“ Gesagt, getan. Just aus der Vorlesung Richtung Zug gerannt, saß ich nass geschwitzt im ICE nach Berlin und ging auf Komponistenrecherche: Das Programm war gespickt mit interessanten und ziemlich, ziemlich großen Namen. Als Erstes fiel mein Blick auf HAUSCHKA, langsam kam auch die Aufregung. Warum? Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich der Meister des präparierten Klaviers Volker Bertelmann und der ist `ne verflixt große Nummer in der Szene! Wobei, eine Eingrenzung à la Szene ist wohl kaum die passende Beschreibung. Viel mehr stehen die Werke des deutschen Komponisten für internationales Flair vom Feinsten. Bertelmann hat mehr als 15 Alben veröffentlicht und ist vor allem durch seine großartigen Filmkompositionen vor ein paar Jahren auf meinem Radar erschienen.

Neue Meister V; Bild: DRIVE. Volkswagen Group Forum

Zum einen wäre der Score für den Horrorfilm „The Boy“ von 2015 zu nennen – nichts für ängstliche Gemüter, jedoch empfehlenswert. Für den Gruselstreifen zeigt sich im übrigen Ewig-Frodo Elijah Wood als Produzent mitverantwortlich. Ansonsten ist mir Bertelmann alias HAUSCHKA auch schon beim Sichten der Berlinale-Wettbewerbsbeitragskritiken aufgefallen, für seinen Soundtrack der deutsch-brasilianischen Produktion „Futuro Beach“ gab’s tolle Kritik! Den Film von 2014 kann ich alleine schon wegen meinem Lieblingsmimen Clemens Schick jedem ans Herz legen. Bevor ich an dieser Stelle jedoch vom Thema abschweife, komme ich zurück zum Schaffenswerk Bertelmanns: der große Knall kam mit der Oscar-Nominierung für die Filmmusik von „Lion“ (gemeinsam mit Dustin O’Halloran). Erinnert ihr euch an den Film vom letzten Jahr? Ich war hin und weg von der Indien-Adoptions-Schicksalsgeschichte und habe anschließend allen zum Kinobesuch geraten. Nicht nur dass: auch habe ich seitdem den Soundtrack auf meiner Laufliste als Favorit versehen. „A long way home“ ist unglaublich berührend und untermalt die schauspielerische Leistung von Dev Patel on point, hört mal rein! Beim Programm im DRIVE. Volkswagen Group Forum gab es von Bertelmann alias HAUSCHKA „Materials“ zu hören: ein 5-sätziges Werk, welches Anfang diesen Jahres in der Zeche Zollverein uraufgeführt wurde. Das Werk für präpariertes Klavier (weiter oben im Artikel hatte ich schon einmal davon geschrieben, ohne näher auf eine Beschreibung einzugehen: Bei einem Präparierten Klavier kann man heruntergebrochen von einer Erweiterung der oft bekannten Form des Klavierspiels sprechen. Mithilfe von Bolzen und Schrauben werden die Saitenchöre mit eingebunden, ähnlich einem Perkussionsinstrument), Streicher, Zuspielband und Perkussion reflektiert einen energetischen Verwandlungsprozess von Materie – da passt der Standort der Volkswagen Group doch bestens.

Neue Meister V; Bild: DRIVE. Volkswagen Group Forum

Ebenfalls ein echter Knaller und doch ganz anders: das aufgeführte Werk von Caroline Shaw. Von der jungen Komponistin hatte ich bislang noch nichts gehört, da gibt es Einiges nachzuholen. Sie überzeugte am Abend in Berlin mit „Entr’acte“, einem Werk von 2011. Anlass der Komposition war für sie damals wohl mitunter das Brentano Quartett mit Haydns Op. 77 Nr. 2. Ein kleines Zitat ihrerseits: „Ich liebe die Art, mit der manche Musik mich plötzlich auf die andere Seite zieht, ähnlich Alices Weg ins Wunderland, ein wenig absurd, subtil, wie der Übergang von einem Schwarzweiß- zu einem Farbfilm.“ Wisst ihr was ich daran schön finde? Bei diesem Gedanken hatte ich unweigerlich ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: Wer muss diese Person sein? Verträumt, blumig in der Musik?! Nix da, ihre Werke klingen ganz anders! Ebenso wenig entspricht die Komponistin (geschweige denn ihr Werdegang) meinem blumig-verträumten Bild: 1982 geboren, lebt und arbeitet Shaw in New York. Arbeitgeber sind nicht nur Aushängeschilder wie Carnegie Hall, Guggenheim Museum oder St. Paul Chamber Orchestra, nein. Die Komponistin hat bereits mehrfach mit dem Rapper Kanye West im Studio zusammengesessen, gleichermaßen als Violinistin, Sängerin und Produzentin an seinen Alben mitgewirkt. Als wäre das nicht aussagekräftig genug, ist sie zudem auch noch Preisträgerin des Pulitzer Prize for Music 2013, wohlgemerkt: als eine der wenigen Frauen und jüngste Preisträgerin überhaupt, Chapeau hoch Zehn! Unabhängig von dieser Schatzkiste an Referenzen und Auszeichnungen, erhält Shaw an diesem Abend tosenden Applaus für ihr Werk.

Neue Meister V; Bild: DRIVE. Volkswagen Group Forum

Ähnlich frenetisch wurde der Auftritt von Spark beklatscht. Das fünfköpfige Ensemble wurde 2011 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet und genau so klingt auch das Werk des Komponisten Johannes Motschmann „Facets of Infinity“ , genre- und grenzüberschreitend! Schwerelos zieht sich die Melodie durch das Forum der Volkswagen Group. Von Draußen drücken sich Schaulustige die Nase an den Scheiben platt, die Klangfarben des Ensembles sind wirklich als einzigartig zu beschreiben. Ihr merkt schon, heute bin ich in Romanschreiblaune, bevor ich jedoch ein Fazit ziehe und mich ins Wochenende verabschiede, muss der Media-Artist Damian Marhulets erwähnt werden. Mit seinem Werk „Ecatele“ schafft er eine Ambiance ähnlich eines zeitlosen Hollywoodstreifens, gemeinsam mit der Pianistin Marina Baranova bringt er „Ecatele“ erstmals für Orchester auf die große Bühne. Auf dem Weg zurück nach Hamburg, höre ich in verschiedene Videos des Künstlers rein. In einem Beitrag erklärt er auch die Beweggründe zur Komposition von „Ecatele“, ein skizzenhaftes Festhalten meinerseits: Es handelt sich um eine spekulative Nacherzählung der Geschichte, vielmehr Freundschaft, vom Physiknobelpreisträger Wolfgang Pauli und dem Psychoanalytiker Carl Gustav Jung. Eine Reise in das Grenzgebiet zwischen Physik und Psychologie. So weit, so gut. Leider habe ich gegen Ende des zweiten Teil des Konzerts die Auftritte von Christian Jost und Kai Schumacher verpasst, der letzte Zug nach Hause durfte nicht verpasst werden.

Neue Meister V; Bild: DRIVE. Volkswagen Group Forum

Es war ein sehr kurzer Ausflug in die Hauptstadt, um halb Elf saß ich schon wieder im ICE nach Hamburg. Ich war ziemlich aufgekratzt, recherchierte noch einmal alle Komponisten nach und warf dabei auch noch mal einen Blick auf das DRIVE. Volkswagen Group Forum. Die Kommunikationsplattform des Volkwagen Konzerns in Berlin bietet ein vielfältiges Programm, bald wird beispielsweise digitale Medienkunst gezeigt. Wer denkt, dass hinter den gläsernen Fassaden Ecke Friedrichstraße / Unter den Linden ausschließlich schicke Flitzer zu bestaunen sind, irrt gewaltig: Wechselnde Marken- und Themenausstellungen gehören zum Alltag des Forums. Ab dem 22. Juli 2017 zeigt das DRIVE im Rahmen der 6. Medienkunstausstellung Exponate an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft. 14 internationale Künstler werden ihre Arbeiten unter dem Sammelthema „Begegnung“ präsentieren, Kurator ist die ARS ELECTRONICA, die in Linz eines der weltweit wichtigsten Medienkunstfestivals veranstaltet. Die Ausstellung ist bis Ende Oktober 2017 zu sehen, Eintritt frei! Zudem laden die Verantwortlichen zur Ausstellungseröffnung am 21. Juni ins DRIVE. Jeder ist an diesem Abend Unter den Linden willkommen, ebenfalls ohne verbundene Kosten und wer Lust hat, schaut auch noch bei der Fotoausstellung „Dritte Landschaft“ von Volker Kreidler vorbei. Ich bin schon mehr als gespannt und werde bei Gelegenheit persönlich rumkommen. Auf den nächsten Termin in der Neue Meister-Konzertreihe freue ich mich auch schon, im November werde ich bestimmt wieder vor Ort berichten. Jetzt klappe ich jedoch den Rechner zu und wünsche Euch ein schönes Wochenende. Anbei noch ein paar Impressionen von dem Abend, mehr Impressionen und Bewegbilder gibt’s auf dem Instagram-Kanal von Horstson…

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit DRIVE. Volkswagen Group Forum Berlin

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