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Versoffene Poesie: Faber – „Sei ein Faber im Wind“

(Faber, Bild: Stefan Braunbarth)

„Faber ist keiner für Leute, die bei Faber an Sekt denken und Max Frisch nie gelesen haben.“ Sowas liest man ja selten in Pressemitteilungen. Klar, weil es ja auch nur einen Musiker namens Faber geben kann. Mit richtigem Namen heißt er Julian Pollina, ist 23 Jahre alt, kommt aus Zürich und ist die neue Newcomer-Hoffnung aus der Schweiz. Das ist vergleichsweise erfrischend, kamen doch deutschsprachige Hoffnungen bis dato meist aus Deutschland oder Österreich. Von sich reden machte Faber bereits u.a. mit der Single „Alle Gute“, mit der er schon live bei Ina’s Nacht auftrat. Am 07. Juli erscheint sein Debutalbum „Sei ein Faber im Wind“. Darauf gibt uns Faber Einblick in seine immer sehr direkte und ungeschönte Welt. Die Songs heißen z.B. „Wem du’s heute kannst besorgen“, worin Frauen auch schon mal ihre „Tits“ zeigen sollen, obwohl sie nicht schlauer sind als ein Schaf. Wie sagt er doch so schön? „(…) aber Schaf ich bin in love (…)“. Er beleidigt charmant, textet ungeschönt und immer hat es etwas Wahres. Wie wenn er im Song „Nichts“ davon berichtet, dass er früher in Clubs abhing, er jetzt aber auch gern auf dem Sofa liegt und es sich gut gehen lässt.

„Wenn unter euch der Boden klebt, sich über euch die Kugel dreht, fühlt ihr euch gleich daheim, lasst mich in Ruhe mit dem Scheiß. Ich liege sehr gerne nur auf der Couch, machs mir nur noch wenn ich’s brauch (…). Genug, genug war nie genug für mich, heute ist mir Nichts schon viel zu viel (…)“.

Kennt man vielleicht selber, würde man nur nie selbst so sagen. An anderer Stelle („In Paris brennen Autos“) heißt es dann zu kubanischen Gitarrenklängen:

„In Paris brennen Autos und in Zürich mein Kamin. Wir zwei sind glücklich, wenn wir beieinander liegen. Auf dieser Welt hier ist Öl mehr wert als Wein. Auf dieser Welt kann ich ohne dich nicht sein (…)“.

Eine moderne Liebeserklärung mit politischem Twist. Und so ist das ganze Album ein Auf und Ab von Sprache, Beleidigungen, Ehrlichkeiten und Witz, bei dem man auf den Text hören und das Hirn anstrengen muss. Stimmlich bewegt sich Faber dabei in einer konstant angesoffenen Tonlage irgendwo zwischen Element of Crime und Annenmaykantereit, auch wenn man diese beiden Bands eigentlich nicht in einem Atemzug nennen sollte. Wer also lieber Sekt trinkt, als Frisch zu lesen, lässt die Finger von dem Album. Für alle anderen schließe ich mit einem Zitat aus seiner neuen Single „Sei ein Faber im Wind“:

„(…)Jeder Jäger träumt von einem Reh, jeder Winter träumt vom Schnee, jede Theke träumt von einem Bier: Warum du Nutte träumst du nicht von mir?(…)“

Faber – So soll es sein

Faber – Bleib dir nicht treu

„Sei ein Faber im Wind“ erscheint am 07.07.2017

Tourdaten:
16.06.17 Stuttgart
17.06.17 Augsburg
22.06.17 Dresden Campusfestival
30.06.17 Riehen Hill Chill Open Air Festival
01.07.17 Großlohra Rasga Rasga Festival
04.07.17 Cottbus Laut Gegen Nazis Festival
08.07.17 Wettingen Open Air Wettingen
12.07.17 St Gallen Kulturfestival
13.07.17 Bern Gurtenfestival
22.07.17 Cuxhaven Deichbrand Festival
23.07.17 Husum Speicher
27.07.17 Feldkirch Poolbar Festival
29.07.17 Bad Bentheim Stonerock Festival
29.07.17 Dortmund Juicy Beats Festival
03.08.17 Neukirchen Skandaløs Festival
04.08.17 Diepholz Appletree Garden
10.08.17 Püttlingen-K. Rocco del Schlacko
10.-12.08.17 Rees-Haldern Haldern Pop
11.08.17 Oberhausen Olgas Rock Festival
13.08.17 Taiskirchen Free Tree Open Air
16.08.17 Jena Kulturarena
17.08.17 Kassel Kulturzelt
18.-19.08.17 Köln c/o pop
19.08.17 Dornstadt Obstwiesenfestival
20.08.17 Winterthur Musikfestwochen
02.09.17 Berlin Fritz – Die Neuen DeutschPoeten Festival
20.-23.09.17 Hamburg Reeperbahn Festival

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