Trisomie 21…

…eher bekannt als Down-Syndrom. Einige Menschen nennen andere Menschen mit Trisomie 21 auch Mongos – abgeleitet von Mongolismus. Das wird allerdings als Abwertung aufgefasst und daher hat man sich auf die ersten beiden Varianten geeinigt – in irgendeine Schublade muss man doch auch Menschen stecken, die irgendwie anders aussehen und von der Gesellschaft häufig als niedlich wahrgenommen werden, der typischen Physionomie sei Dank.

Weil es immer einfacher wird, Behinderungen und Fehlbildungen schon im Mutterleib festzustellen, werden die Menschen mit angeborenen Behinderungen weniger. Sie fallen schon früh durchs Raster der Pränataldiagnostik – schätzungsweise entscheiden sich 90% der werdenden Eltern gegen ein Kind mit Trisomie und für einen Schwangerschaftsabbruch. Einige halten das für Selektion – andere verweisen auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Beide Standpunkte kann ich verstehen, da werde ich auch den Teufel tun, mir ein Urteil anzumaßen.
Eine, für die sich die Eltern entschieden haben, ist die erst 10 monatige Valentina Guerrero, die jetzt für die Bademodendesignerin Dolores Cortés das Kampagnenmodel der Baby-Bademoden ist.

Valentinas Mutter äußerte sich übrigens wie folgt zu ihrer Entscheidung, das “Go” für die Kampagne zu geben: “I was excited mainly because the fact that they are placing Valentina on the of a catalogue sends a very clear message of inclusion; all children deserve the same opportunities, regardless of their physical, economic, social, racial or medical condition.”
Die Erklärung der Designerin hört sich hingegen etwas schwammiger an: “People with Down syndrome are just as beautiful and deserve the same opportunities. I’m thrilled to have Valentina modeling for us.”

Wenn ich solche Kampagnen sehen bin ich immer ganz hin- und hergerissen: Einerseits ist es natürlich ein Schritt zu einer entspannteren Sichtweise auf Menschen mit Behinderung und nimmt ihnen den gewissen Exoten-Status, andererseits schwingt immer der Hauch der Aufmerksamkeit-Hascherei mit – im Falle von Horstson hätte es Dolores Cortés sicher nicht so ohne weiteres auf den Blog geschafft.

Kommentare

Kommentare

Tags »

Autor:
Datum: Mittwoch, 25. Juli 2012 13:25
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

8 Kommentare

  1. 1

    …mich erinnert so eine Kampagne ein wenig an die berühmten Benneton-Kampagnen…
    viele fanden die unglaublich und sagten, da wird Werbung auf dem Rücken von Menschen gemacht…
    ich fand die von Anfang an GROSSARTIG, weil sie halfen die Sichtweise auf verdrängte Thematiken zu lenken und auch zu öffnen…
    so auch hier…
    je öfter man solche Bilder sieht desto selbstverständlicher werden sie und desto mehr lernt man, Befindlichkeiten abzubauen…
    ansonsten gilt: …öffne Dein Herz…!

  2. 2

    Sehr schöner Text aber schwieriges Thema!

  3. 3

    ich finds toll! es sollte sogar mehr ausserhalb der “norm” geben

  4. 4

    Ist die Kleine süß? Ja! Darum kann sie für Baby-Bademoden “modeln”.
    Unsere Gesellschaft wäre einen Schritt weiter, wenn behinderte Menschen keine Begründung mehr dafür liefern müssten, warum sie Dinge tun oder lassen … dazu gehört auch diese Kampagne.
    Auf “Horstson” hätte es Dolores dann nicht geschafft, da Baby-Bademoden nicht das Thema sind.

  5. 5

    … es muss natürlich “Valentina” heißen …

  6. 6

    @Gabriele Das stimmt natürlich, die Kleine sieht niedlich in ihrem Badeanzug aus. Nur stellt sich mir immer wieder die Frage bei Kampagne die Frage, ob das Model nur aufgrund ihres Exoten-Status’ in der Gesellschaft von dem Auftraggeber gebucht wurde. Ähnlich dachte ich schon bei den Toscani benetton Bildern.
    Natürlich lässt sich die Frage nicht klären und würde es natürlich begrüßen, wenn Menschen mit Behinderung mehr Präsenz und eine größere Lobby in der Gesellschaft bekommen, denn, da sind wir uns sicher einig, jeder ist schön.

  7. 7

    mehr Präsenz mit Sicherheit aber bitte nicht zu irgendwelchen Werbegeschichten, das ist für mich immer fragwürdig.

  8. 8

    Ich war in der Oberstufe auf einer integrativen Schule mit behinderten Kindern. Darunter waren auch zwei Jungs mit Downsyndrom. Die beiden haben so eine Lebensenergie- und -lust ausgestrahlt.. das ist unglaublich. Deswegen stehe ich der Sache mit dem Abtreiben von behinderten Kindern sehr sehr kritisch entgegen.

    Die Mutter scheint eine stolze Mutter zu sein und für das Recht ihrer Tochter zu kämpfen. Denn wieso sollte ein behindertes Kind nicht auch modeln dürfen? (Zumal Valentina so eine süße ist). Ich möchte der Designerin natürlich nicht vorwerfen, aber man weiß nie, ob sie wirklich aus Überzeugung das behinderte Mädchen als Model gewählt hat oder um einen Eye-Catcher zu bekommen… Zweiteres wäre sehr traurig..

Kommentar abgeben