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The Fabulous Beagle Boys – “From Blog To Brand”

Onkel Dagoberts Goldtaler, Pinke, Zaster, Penunze, Kohle, Asche – egal, Hauptsache viel davon …
Nun ist genug Zeit rum, in der ich meine Eindrücke vom zweiten Fashioncamp in Wien sacken lassen konnte. In Summe eine gut gelungene Veranstaltung mit vielen Bloggern aus Österreich und Deutschland. Dort wurde in mehreren Panels mit Bloggern, Vertretern der Industrie, einem Rechtsanwalt und Vertretern der Medien über einige Fragen rund um das Onlinemedium Modeblog gesprochen.
Wer dabei ohnehin nur stören würde, ist anscheinend der Kunde/Leser? Interessanterweise ging es um alle und alles, nur nicht um die Sicht des Lesers auf Modeblogs.

Dass der Fokus der Modeblogger ganz besonders auf die Session “From Blog To Brand” gerichtet war, versteht sich. Dort sollte gelüftet werden, wie man an die Goldtaler Dagobert Ducks kommt. Laut nicht auszurottenden Gerüchten sollen die auf der Straße liegen. Dazu hat aber nicht der auch eingeladene nunmehr EX-Burda Mann und LesMads Macher Heiko Hebig gesprochen: Mit den Bloggerinnen Anna Frost von fashionpuppe und Kathrin Wittich von Kathrinsky hatte man sich zwei Selfmadewomen der Branche als Informantinnen und Diskutantinnen geholt, die zusammen mit Stefan, alias Sirdorian von SKIR (StylishKidsInRiot) und Lukas, ebenfalls vom Grazer Blog SKIR, der Frage auf den Grund gingen, was es denn nun braucht, um vom netten Hobby-Blog zu einer Marke zu werden. Marke reichte aber noch nicht, wenn schon, dann bitte gleich eine Brand.

Da ich leider nicht vor Ort sein konnte, möchte ich mir über die sehr divergierenden Aussagen zu dieser Session und die Diskutanten – ausnahmsweise – keine Kritik erlauben, obwohl ich mir den Stream im Nachhinein zweimal rein gepfiffen habe und dazu eine ganz klare Meinung habe. Darüber zu lamentieren, wer wie gut war oder ausgerechnet an dem Tag seinen Hangover hatte und dadurch dooferweise verhindert haben soll oder könnte, dass wahre Feuerwerke von Kompetenz am Thema abgefeuert werden hätten können, brächte uns ohnehin nicht weiter.
Wir Entenhausener sind ja auch so schlau und wissen längst, dass noch nicht mal alle soliden Marken, die Hinz und Kunz kennt und mehrmals im Monat kauft, Brands im eigentlichen Sinne sind: Globale Marken, die man zumindest in der westlichen Hemisphäre sehr gut kennt … und Online-Medien wie Modeblogs sind schon mal gar keine. Oder habt ihr Scott Schuman schon mal dabei beobachtet, dass er über The Sartorialist als Brand referiert hätte? Mann Leute, das ist der Weltmarktführer. Also lasst uns lieber die Nummer kleiner probieren.
Und selbst wenn es möglich wäre, Modeblogs als globale Brands zu etablieren, dann wäre da noch die nicht unwesentliche Kleinigkeit, dass nur die Leser, deren Zahl und Qualität entscheidet, wie gut und erfolgreich ein Blog als internationale Marke sein könnte.

Aber der Punkt, um den es in der Session letztendlich ging, war dann doch sehr interessant für viele StylebloggerInnen und ModebloggerInnen, die am FashionCamp teilnahmen: Anna Frost und Kathrin Wittich sind sowas wie Selfmade-Online-Women und können von den Einnahmen leben, die ihnen ihre Modeblogs mittelbar bescheren. Sie haben frühzeitig erkannt, dass sich der eigene Blog mitunter als gutes Argument beziehungsweise als passable Referenz bei der Akquisition von Kunden, für die man dann deren Onlineangebote betreut, eignet. Das ist dann so eine Art elektronische Bewerbungsmappe, die bei Anna Frost und Kathrin Wittich dazu führte, dass Erstere zum Beispiel für Conley’s und weitere Kunden im Onlinebereich aktiv ist und Zweitere zusammen mit Kollegin Jette eBays Dealhunter Blog schreibt. Schön so, sage ich. Gut gemacht.
Aber kann und sollte man Einzelfälle wie die beiden glücklichen BloggerInnen deshalb tatsächlich zu Leitfiguren der Branche hochstilisieren, die uns allen zeigen, wie man mit seinem Blog so viel Geld verdient, dass man einen anderen Beruf nicht mehr nötig hat? Kann das denn überhaupt klappen? Ist es wirklich fair und gesund, jungen Leuten, die zum Teil noch in Schule, Ausbildung, Studium stecken, diese Flausen in den Kopf zu setzen?
Gewiss nicht. Jeder soll bloggen worüber er gerade schreiben mag, aber daraus einen seriösen Beruf für Jahre zu machen, dazu bedarf es wesentlich mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten, als ein paar schnelle Kniffe zu lernen, wie man seinen Blog vermarktet, die Psyche der Entscheider in den Werbungtreibenden Unternehmen zu ergründen, coole Kontakte zu Agenturen aufzubauen und sich selbst als Marke zurecht zu schütteln.
Ich hatte ja schon weiter oben moniert, dass die Hauptentscheider über echte Erfolge von Blogs die Leser sind, die beim Fashioncamp keine Stimme hatten. Und zwar nicht mehrheitlich solche, die auch einen Modeblog führen. In der sicher interessanten, persönlichen Erfolgsrechnung von Anna Frost kommen die nicht vor. Sie kritisiert den Verlauf der Session “slightly”, fürchtete ein wenig um ihren guten Namen und schreibt dann selbst zur Sache folgende Subline: “Wie professionalisiere ich meinen Blog, verdiene damit Geld oder schaffe mit mir als Schreiberling hinter dem Blog eine Marke oder eine Persönlichkeit, die in der Bloggosphere fest verankert ist.” Schön und gut, aber wie geht es da im Text weiter, liebe Anna? Warum nicht gleich konkret hinschreiben, wie man seinen Modeblog professionalisiert. Und warum das Geld dann plötzlich zu sprudeln beginnen soll. Was so ja leider für die Allgemeinheit nicht stimmt.

Die Vermarktung von Werbeplätzen auf dem Gros Deutscher Modeblogs, die schon Werbung schalten, funktioniert ja nur, da zum Beispiel GLAM seinen Kunden mehrere Blogs in ein Paket packt, denn einzeln und für direkte Werbekunden wären fast alle diese Blogs viel zu klein und uninteressant. Daimler schaltet ja auch keine Werbung, die auf einem TV-Kanal bei Edeka in St. Umleiten am Frostaufbruch läuft, oder? Die verhältnismäßig guten Deals mit Werbung laufen dann, wenn man an LesMads herankommt. Aber das tut zur Zeit niemand. Für die Anderen gibt es kleines Taschengeld, etwas Geld für die Reisekasse oder auch mal ein wenig mehr. Aber kein gutes Einkommen, von dem man seine Miete und alle sonstigen Ausgaben verlässlich jeden Monat bestreiten kann.
Und irgendwann haben die Werbungtreibenden und deren Werbe- und Mediaagenturen dann genügend Erfahrungen und Wissen über Blogs angesammelt, werden sehr wählerisch und kritisch werden, wie sie das bei anderen Medien auch sind und dann versiegt diese Quelle ganz schnell. Außer, man pfeift von Beginn an auf alle Luftschlossnummern und das Impression Management und interessiert sich nur für eines:
Für den Leser ohne Modeblog – den muss man auf Dauer begeistern!

Also denkt gerne darüber nach, wie man so gut schreiben lernt, dass möglichst viele Verbraucher verschiedener Alters- und Interessengruppen euren Blog regelmäßig lesen. Oder auch darüber, wie ihr es schafft, eigene Themen zu setzen und andere gute Schreiber dafür zu begeistern, sich mit euch zusammen zu tun, um eure Leser mit einer größeren Vielfalt an Ansichten und Einsichten über Mode und mehr immer aufs Neue zu gewinnen.
So kommt man über das Schreiben dazu, besser zu werden, lernt, sammelt Erfahrungen und erarbeitet sich eine gute Referenz für die berufliche Zukunft. Ob die dann in einem Vollzeitjob mit dem eigenen Blog mündet oder dieser Blog dann ein liebgewordenes Hobby bleibt, ist für geschätzte 95 Prozent aller BloggerInnen, die das Fashioncamp besucht haben, definitiv noch vollkommen offen.
Würde die Knete von Dagobert Duck wirklich für jeden gut informierten Blogger auf der Straße liegen, um von der nächsten Bloggerin, die neuerdings eine Brand ist, aufgesammelt zu werden, dann könnten so profilierte BloggerInnen wie Andrea von Tschilp und Anne von Blica schon lange Westcoast-Ferienhäuser bei Big Sur besitzen und Horst würde in seiner Reihe: Wie wohnt eigentlich ….

Daisy’s Fazit: Wir wollen doch alle nicht, dass Modebloggen zu einer neuen Seifenblase für junge Menschen wird, für die Mädels und Jungs, die bei DSDS nicht in die Mottoshows kamen und auch bei Heidi keinen Platz in der Modelvilla in den Hollywood Hills hatten, weshalb das mit irgendwas mit Medien und Moderation machen, auch noch nicht so richtig geklappt hat …
Life’s Too Mysterious, Don’t Take it Serious!

A Pro Pos: Schade, dass ich keine Witze erzählen kann, denn ich hätte da einen kleinen: Kennt ihr Modebloggers Lieblingsfarbe?
Geldscheingrün 🙂 PEACE!

Was sagt ihr dazu, liebe Leser, soll Horst jetzt auch noch so was wie der charismatische Steve Jobs der “Bloggosphere” werden, damit Horstson endlich eine Brand wird?

Bilder: Beagle Boys, Screenshots, Walt Disney, FashionCamp, Felipe Kolm, Tiffany Advertisement, LesMads

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  • Eveline
    18. September 2011 at 22:15

    Erst einmal ein großes Lob an alle Schreiber dieses Blogs, besonders gerne lese ich die Artikel von Peter Kempe, Horst und Daisydora. Ich kann mich aber wirklich an jedem Eintrag erfreuen und kann mir gar nicht vorstellen wie viel Arbeit und Zeit in die Artikel fließen. Danke dafür.

    Zum Thema: Den vergleich zu DSDS und GNTM finde ich unheimlich treffend. Mit dem Modebloggen Geld verdienen zu wollen ist nur eine weitere Ausuferung der „Schneller Erfolg ohne Arbeit“-Einstellung. Und dann sehe ich die jungen Blogger mit Notizblöcken beim „Fashioncamp“ lauschend, sich selbst und die „Bloggosphere“ unheimlich ernst nehmend…Diese Zeit wäre so viel besser investiert in das Nachdenken über und das Schreiben von guten Blogposts (so wie dieser einer ist). Aber anscheinend haben die meisten die falsche Einstellung. Schade.

  • Mark
    19. September 2011 at 00:54

    Zum Thema: Den vergleich zu DSDS und GNTM finde ich unheimlich treffend. Mit dem Modebloggen Geld verdienen zu wollen ist nur eine weitere Ausuferung der “Schneller Erfolg ohne Arbeit”-Einstellung. Und dann sehe ich die jungen Blogger mit Notizblöcken beim “Fashioncamp” lauschend, sich selbst und die “Bloggosphere” unheimlich ernst nehmend…Diese Zeit wäre so viel besser investiert in das Nachdenken über und das Schreiben von guten Blogposts (so wie dieser einer ist). Aber anscheinend haben die meisten die falsche Einstellung. Schade.
    +1

  • Daisydora
    19. September 2011 at 09:04

    @Eveline

    Vielen Dank für dein freundliches Feedback und das Lob, wir freuen uns sehr darüber … Horst steckt da in der Tat sehr viel Zeit und Leidenschaft rein, für uns Schreiber ist das nur Schreiben viel einfacher …

    …aber bei so einem kritischen Bericht muss man in der Branche höllisch aufpassen, dass einem im Nachgang nicht von Horden der Fans und Freunde der Kritisierten im Kommentarbereich die Bude kurz und klein geschlagen wird und das macht das Schreiben solcher Berichte aufwändiger.

    Das wird hier aber bestimmt nicht passieren.

    Mir geht es ähnlich dir, es ist mir schleierhaft, wie junge Menschen mit so wenig Selbstreflektion und Selbstironie unterwegs sein können. Meiner Meinung dazu: Die Vorbilder sind eine Katastrophe. Da schließt sich der Kreis zu Dieter und Heidi.

    Danke nochmals 🙂

  • Jana Goldberg
    19. September 2011 at 10:41

    Liebe Daisy, ich gebe Dir absolut recht, dass junge Blogger mit einer rosa Brille an die Sache „Bloggen“ herangehen. Wer anfängt zu bloggen, um damit Geld zu verdienen, wird scheitern und hat den Sinn des Medium falsch verstanden. Gleichzeitig finde ich jedoch, dass die meisten „erfahrenen“ Blogger mittlerweile sch**kommerziell aufgestellt sind. Sie bringen weder was Neues, noch was Unterschiedliches. Glossy Box, Urban Outfitters, Berschka Eröffnung, Cos Kollektion ….Ist gut, wir haben es verstanden. Wo bleibt eigentlich der interessante Inhalt? Vielleicht bin ich nicht gerade Zielgruppe (Ü29, Mutter, berufstätig, Hobbyblogger), aber ich lese Blogs aus drei Gründen: Inspiration, Information und Voyeurismus. Das kann dann auch gern auf drei verschieden Blogs verteilt sein.

  • Daisydora
    19. September 2011 at 13:02

    @Mark

    Auch dir, dankeschön … ich fand diesen Kommentar von Eveline auch sehr zutreffend, aber jede Blase platzt mal – ist also eine Frage der Zeit, bis dieser Markt sich zu einem besseren wandeln wird müssen … 🙂

    @Jana Goldberg

    Liebe Jana, danke, deine Offenheit ist ein Geschenk für mich … ich stimme dir bzw. deinen Ausführungen zu …

    Für mich ist das ein Zeichen von Kurzsichtigkeit und Respektlosigkeit dem Leser gegenüber, das Schreiben guter Berichte nur als notwendiges Übel abzuhandeln, damit wieder ein paar Goodie-Pakete und Einladungen zur Tür reinkommen und GLAM etwas Geld überweist…

    Klar bist du Zielgruppe, was denn sonst, wenn da Werbung geschaltet wird, erst recht. Die Werbungtreibenden interessieren sich doch für eine kaufkräftige, werberelevante Zielgruppe … Darauf läuft es jedenfalls auch für die Zukunft hinaus. 🙂

  • Eveline
    19. September 2011 at 17:40

    @ Daisydora
    Das glaube ich dir gerne, den von Bloggern antrainierten Beißreflex auf kleinste Kritik kenne ich noch von deinen LesMads-Zeiten als Bridget (big fan btw 😉 )

    @ Mark Danke! 🙂

  • Daisydora
    20. September 2011 at 09:35

    @Eveline

    Oho, daran hätte ich gar nicht mehr gedacht, ich danke dir, dort habe ich Horst kennen gelernt … aber das war ja noch eher sanft, im Vergleich dazu, was danach kam …. naja, die Mädels schützen ahnlich den Alten Mächtigen ihre Pfründe …. 🙂

  • Joana
    21. September 2011 at 21:23

    Liebe Daisydora,

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Nach dem ganzen Berichten über das Fashioncamp hab ich ähnlich gedacht. Ich denke, dass der Inhalt eines Blogs immer noch am relevantesten sein sollte und dass die Anzahl der verschiedenen Presse-Einladungen, Goodies und Werbekooperationen dummerweise nichts über die Qualität eines Blosg aussagen (auch wenn das vielleicht manche hoffen und denken..) Abgesehen davon, dass es für die allermeisten Blosg eh nie Thema sein wird sich derart professionalisieren zu müssen. Horstson ist so gesehen wohl dann eher ein Anti-Brand 🙂 Und das mag ich an eurem Blog!!

    Liebe Grüße
    Joana