Interview

Nachgefragt bei … Taco Carlier

(Bild: VanMoof)

Stilsicher Fahrradfreundlichkeit steigern – Gestern hatte ich meine Freundin am Telefon, sie rief aus Delhi an. „Alles super, nur der Smog nervt. Trage jeden Tag Mundschutz und die vielen Autos stauen sich bis zum Horizont“, hallte es über Skype. Ähnliches höre ich immer wieder von meiner Schwester in London. Sie würde gerne mehr Fahrrad fahren, bei der Verkehrsdichte sei das jedoch nur bedingt empfehlenswert. Hier in Hamburg ist es schon besser, mit dem Drahtesel ist man überall schnell zugegen. Bei dem Thema wünsche ich mir meine Jugend wieder, oft und viel war ich in Amsterdam unterwegs – Von Autos? Fast keine Spur! Die Umweltbelastungen in den Großstädten nimmt immer mehr zu, viele akzeptieren diesen Prozess stillschweigend. Protzen statt kleckern, SUV statt Rad oder Öffentliche. 
Taco und Ties Carlier stehen dieser Entwicklung entgegen, haben mit ihren Fahrradmodellen bereits vor sieben Jahren ein hochwertiges Statement gesetzt und gehören seitdem mit VanMoof zu den stillen Vorreitern der Branche. Sie haben Klassiker geschaffen, die aus dem Stadtbild der großen Metropolen nicht mehr wegzudenken sind. Ich habe mit Taco über E-Bikes, Obama und Modeeinflüsse gesprochen.
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Taco Carlier; Bild: VanMoof

Lass uns ganz vorne anfangen: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Fahrräder zu fertigen?
Seit ich ein kleiner Junge war, schlägt mein Herz für Fahrräder. Als Student ist mir dann bewusst geworden, dass es ein Thema ist, das mich sehr interessiert: Die „holländische Art des Radfahrens“. Ich nenne es gezielt so, denn wir nutzen das Rad nicht nur für den Sonntagsausflug in den Park. (lacht) Hier in Amsterdam ist das Fahrrad unabdingbar. Es ist gleichermaßen Bewegungs- und Transportmittel, ein fester Bestand des Alltags. 55 Prozent aller innerstädtischen Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt – das finde ich als Ausgangssituation für unsere Unternehmensidee äußerst spannend!

Dem kann ich nur zustimmen!
Und an dieser Stelle knüpfen wir mit VanMoof an: Es ist unser Ziel, dass Menschen häufiger das Rad nutzen. Ganz gleich ob Paris, London oder New York – zukünftig soll in den Metropolen der Welt ähnlich viel das Fahrrad als Verkehrsmittel genutzt werden, wie bei uns in Amsterdam. Wenn wir dahingehend an einer Veränderung mitwirken könnten, wäre ich mehr als zufrieden.

Spread the word! Wann habt Ihr Euer Unternehmen gegründet?
Lass mich kurz überlegen: Uns gibt es jetzt seit 2009. Ich habe mich damals mit meinem kleinen Bruder Ties zusammengetan. Er hat vor kurzem seinen 38. Geburtstag gefeiert, ich hingegen bin bereits 39 Jahre jung. (lacht)

Richte ihm unbekannterweise Glückwünsche aus.
Gerne, vielen Dank dafür. Um nicht allzu sehr von deiner Ausgangsfrage abzulenken: Die letzten sieben Jahre – 2009 bis 2016 – haben wir uns ausschließlich mit Fahrrädern beschäftigt, die man formtechnisch mit dem Namen VanMoof verbindet. Wir haben den Fokus auf transportfähige Modelle für die Großstadt gerichtet, alltagspraktisch und leicht sollten sie sein. Die Räder sind dank ihres einzigartigen Designs zum Klassiker avanciert. Jetzt, 2016, war es Zeit, daran anzuknüpfen.

Schieß los, ich bin gespannt…
Dieses Frühjahr sind wir einen weiteren Schritt gegangen und haben eine neue Kollektion auf den Markt gebracht. Wir haben Smart- und E-Bikes in unser Sortiment aufgenommen und konnten damit große Erfolge erzielen. Ich bin noch immer völlig überwältigt, weil es mit den neuen Modellen so gut läuft – es ist absolut crazy!

Jetzt müssten wir verständnishalber klären, woher der Name VanMoof ursprünglich stammt, okay?
Klar! Wir waren auf der Suche nach einem kurzen, knackigen Namen. MOOF lässt sich vom englischen Wort movement ableiten. Damit wollen wir wortwörtlich eine Bewegung, und nicht nur unser Unternehmen, hervorheben: Wir wollen weltweit die Fahrradkultur stärken. Das VAN ist ein Verweis auf unsere Herkunft, unsere niederländischen Wurzeln. Im Deutschen entspricht es in etwa dem „von“, klingt auf jeden Fall sehr gut! (lacht) Gerade die Amerikaner mögen unser VAN und plötzlich hört es sich zusammengesetzt an wie ein typisch holländischer Nachname.

Apropos, lebt Ihr beide vor Ort in Amsterdam?
Nein, nur ich wohne hier. Mein Bruder arbeitet und lebt in Taipei. Wir haben jeweils ein großes Büro in den beiden Städten. Dann gibt es noch zwei kleinere in Berlin und New York. Damit sind wir gut aufgestellt und können weltweit vernetzt miteinander agieren.

Klasse, Deine Berliner Kolleg/innen werde ich für den Fahrradtest treffen.
Stimmt, das hatte ich gerade gar nicht im Kopf. Dann lernst du meine beiden Kollegen kennen, beste Grüße an die beiden. Wir haben in Berlin-Charlottenburg ein Konzept à la Shop-In-Shop. Die Idee kommt, neben unserem hauseigenen Online-Shop, sehr gut an. Es scheint sich zu bewähren und ich bin gespannt, wie es dir gefällt!

Ich werde Dich auf dem Laufenden halten. Lass uns auf Deine Arbeit zurückkommen. Was fällt in Deinen Aufgabenbereich?
Während mein Bruder beim Design und in die Entwicklung der Modelle eingebunden ist, beschäftige ich mich überwiegend mit Verkaufsideen und Strategien. Ganz wichtig sind mir dabei die kontinuierlichen Anpassungen und Erneuerungen der Verkaufsprozesse: Wir bieten unsere Fahrräder sowohl on- als auch offline an. Ganz gleich, ob auf unserer Website oder in unseren Läden – der Kunde soll sich rundum wohlfühlen. Ich bin im Tagesgeschäft hauptsächlich damit beschäftigt, dass unser Online-Service optimiert wird. Unser Kunde muss kein versierter Fahrradmechaniker sein, um bei VanMoof den perfekten Begleiter zu finden. Um diesem Anspruch, diesem Gedanken an easiness gerecht zu werden, muss man sich als Unternehmen an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Natürlich streben wir eine 100-prozentige Zufriedenheit und perfekte Kauferfahrung an.
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Ties und Taco Carlier; Bild: VanMoof

Wie geht Ihr diese Herausforderung an? Nenn mir hierzu gerne ein Exempel!
Da wäre beispielsweise der integrierte Diebstahlschutz. Fast jeder kennt die Geschichten von geklauten Fahrrädern, gerade in Amsterdam ist es leider ein tagtägliches Thema. Das Electrified S und das SmartBike können bei Diebstahl geortet werden – ein sehr beliebter und praktischer Service.

Wir sind eine sehr mode- und kulturversierte Leserschaft, lasst Ihr euch bei VanMoof von Trends beeinflussen?
Gute und völlig berechtigte Frage. Ich muss an dieser Stelle jedoch verneinen, denn wir orientieren uns vielmehr am „form follows function“-Gedanken. Uns interessieren Funktionalität, Praktikabilität und Minimalismus. Unsere Fahrräder sollen leichte, vor allem bezahlbare key pieces für Großstädter sein. Wir sagen immer: We want to make cycling effortless, not exclusive. Trends sind nicht relevant für uns, oben genannte Attribute umso mehr. Ein Fahrrad entwickeln, einzig dem Anspruch geltend, hübsch auszusehen? Eher langweilig!

Verstehe…
Lass es mich so auf den Punkt bringen: Wir wollen lieber mit Bauhaus, als mit einem schnelllebigen Trend assoziiert werden. (lacht)

Klingt plausibel. Lass uns trotzdem noch einmal auf das Trendthema zu sprechen kommen!
Gerne, wir reden ja nicht nur von reinen Modetrends. Wir sprechen ja auch von Strömungen, die eventuell als Trend gelten. So ist die Fahrradkultur ein großes Ding: Eine weltweit zunehmende Strömung. Wenn wir hier von einem Trend sprechen, sieht das Ganze für VanMoof natürlich anders aus: So lassen wir uns auf jeden Fall beeinflussen. Immer mehr Städter verzichten auf die Nutzung von Autos und greifen zum Rad, klasse.

Gibt es jemanden, den Du gerne mitsamt VanMoof sehen würdest? Ein berühmter Griff zum MOOF’schen Rad?
Eine sehr, sehr gute Frage. Da muss ich nicht lange überlegen: Barack Obama. Er ist die unangefochtene Nummer Eins auf meiner imaginären Liste. Ich würde mich wahnsinnig geehrt fühlen, wenn er irgendwann einmal zu unseren Fahrrädern greifen sollte. Er hat eine unfassbare Karriere aufgebaut und scheint als Mensch ebenfalls höchst interessant.

Ich drücke die Daumen und kann Dir nur beipflichten! Lass uns über Eure Reichweite sprechen: Die erfolgreichsten Märkte?
Das ist klar aufgeteilt: 25 Prozent Deutschland, 25 Niederlanden und 25 Prozent auf dem amerikanischen Markt. Das restliche Viertel ist über die ganze Welt, also Asien, Europa und so weiter, verteilt. Wenn man den Erfolg in Großstädten misst, stehen Amsterdam und Brooklyn an der Spitze.


Inwiefern beeinflusst Dich Amsterdam in Deinem Wirken?
Bei uns sind Fahrräder für den Alltag essentiell, vielmehr notwendig. Wir sprechen dabei – im Gegensatz zu anderen Städten – jedoch weniger von der sogenannten „Fahrradkultur“. So passiert es mir beispielsweise in New York immer wieder, dass ich von anderen Radfahrern gegrüßt werde – finde ich natürlich super! (lacht) Das passiert einem vor Ort in Amsterdam eher selten. Es ist fester Bestandteil des Stadtlebens und genau an dieser Stelle knüpft auch unsere Vision von VanMoof an: Radfahren sollte so normal wie Staubsaugen werden.

Welche Inspiration bietet Dir die Stadt?
Du meinst, was mich vor Ort in Amsterdam inspiriert? Hier gibt es ziemlich cooles Design! Ich denke dabei sofort an Droog Design, ein international renommiertes Design-Kollektiv. Sie entwerfen wunderbar minimalistische Produkte und gefallen mir in ihrer Formsprache ausgesprochen gut. Wenn ich solch spannende Ideen und Umsetzungen sehe, denke ich mir oft: Wir können mit dem Design unserer Fahrräder immer noch besser werden!

Stichwort „Fahrrad“: Nutzt Du es wirklich oder greifst Du doch lieber aufs Auto zurück?
Du wirst lachen, aber ich habe überhaupt kein Auto. Hin und wieder miete ich mir eins bei Uber und car2go, ansonsten bin ich ausschließlich mit dem Rad unterwegs. Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Fahrrad zum Flughafen zu radeln.

Ist Schiphol nicht etwas weit weg?
Nein, überhaupt nicht. Mit dem Rad ist der Flughafen sehr gut zu erreichen. Für die Arbeit muss ich regelmäßig fliegen und mache mich daher oft ohne Auto auf den Weg Richtung Schiphol. Es sind circa 15 Minuten Fahrt, von der Distanz her sollte es nicht länger sein. Das Tollste? Der Kontrast von tosendem Flugzeuglärm und der Unbeschwertheit auf dem Fahrrad!

Was hältst Du von der Diskussion vieler Stadtentwickler und Urbanisten: Autoverbot in der Innenstadt?
Du meinst im Stadtkern? Amsterdam hat dahingehend ein klares Alleinstellungsmerkmal, gerade wenn man bedenkt, wie viele Fahrräder und Radfahrer es hier gibt! Autos sind trotzdem bis zur Fußgängerzone erlaubt, was meiner Meinung nach wenig Sinn macht. Es ist nur erlaubt, weil dort große Kaufhäuser ansässig sind. Wenn man sich überlegt, dass unsere Stadt mit den vielen engen Gassen im Mittelalter erbaut wurde… (nachdenklich) Warum braucht man da viele Autos im Zentrum? 


Du scheinst Dich nicht zum ersten Mal mit der Frage auseinanderzusetzen.
Damit möchte ich jedoch keinesfalls das Gefühl vermitteln, dass ich etwas gegen Autos hätte. (lacht) Als Produkt liebe ich sie und für die Nutzung zwischendurch möchte ich sie unter keinen Umständen missen. Ich bin jedoch der Meinung, dass Autos nicht die Innenstädte verstopfen sollten.

Ein guter Zeitpunkt, um näher über Euer neuestes Projekt zu sprechen: Das VanMoof-E-Bike! Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?
Du musst es Dir so vorstellen: Kunden und Interessenten habe ich immer erklärt, dass unsere Modelle perfekt für den Alltag in der Stadt geeignet sind. Auch für den täglichen Weg zur Arbeit. Klar, wir gehen nicht davon aus, dass man immer und überall damit hinfährt – schließlich sind wir keine Fanatiker! (lacht) Es ist einfach super praktisch, damit zur Arbeit zu pendeln, auch für mich selbst. Vor drei Jahren habe ich für ein paar Monate in New York gelebt und natürlich bin ich dort mit dem Rad in unseren Store gefahren. Morgens hin, abends zurück. Die Distanzen sind viel größer als bei uns, gerade wenn man die Verbindungsbrücken nutzt. Resultat? Ich war jedes Mal klatschnass geschwitzt, als ich im Office ankam! Gerade wenn man Geschäftstermine hat, ist das natürlich wenig vorteilhaft. Das war unser Startschuss, denn in dieser Zeit dachte ich immer öfter an Fahrräder mit elektrischer Unterstützung.

Wie ging es weiter?
Für mich war es wichtig, dass wir Modelle entwickeln, die einen mühelos im Alltag und zur Arbeit begleiten. Als wir mit dem Designprozess starteten, schwirrten die Herausforderungen Minimalismus, Leichtigkeit und Praktikabilität im Kopf aller Beteiligten. Schaut man sich die herkömmlichen E-Bikes an, so muss man feststellen: Weder leicht, noch praktisch für den Alltag. Zudem lässt einen oftmals der hohe Preis schlucken. Für den täglichen Gebrauch in Großstädten ist er sehr weit oben angesiedelt.
Damit hatten wir auch schon eine erste Barriere ausgemacht. Zugegeben, eine sehr hohe Barriere: Ein Rad für rund 2.500 Euro? Wie soll man einen solchen Wert sicher vor der Tür festketten? Das ist doch sofort weg, wenn man es irgendwo ungeschützt stehen lässt…

Wie lässt sich dem entgegenwirken?
Genau an diesem wortwörtlichen Knackpunkt haben wir lange gearbeitet: Die Entwicklung unseres Tracking-Systems. Bei Diebstahl lassen sich die Electrified S dank GMS-Sender orten. Zudem haben wir ein integriertes, elektronisches Schloss in den Rahmen eingebaut. Um die Sicherheitsbedingungen umfassend anzupassen, haben wir uns zwei Jahre Zeit für Recherche und Produktentwicklung genommen. Haben Ideen gesammelt, diese weitergebracht und getestet. Im April diesen Jahres haben wir das Electrified S dann auf dem Markt vorgestellt.

Wie war die erste Resonanz?
Es ging alles verflixt schnell, eine absolut verrückte Geschichte: Zur Pre-Order hatten wir uns überlegt, dass wir ganz entspannt mit einer Auflage von 200 E-Bikes anfangen. Wir wollten das Ganze wohlüberlegt mit einer Laufzeit von zwei Monaten austesten. Wollten sehen, wie unsere Idee angenommen wird. Tja, nach einer Dreiviertelstunde waren alle Fahrräder verkauft – damit hatten wir eher nicht gerechnet… (lacht)

Das ist doch klasse, also ein voller Erfolg!?
Es war unglaublich. Wenn ich mich daran zurückerinnere, wie wir als Team in diesem kleinen Raum saßen und gespannt auf das Go warteten. Wir starrten wie gebannt auf die Bildschirme, und als die Website dann endlich online ging, war es ein einziges „bam, bam, bam“. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Noch immer sind wir ausverkauft. Ich freue mich gerade deswegen über den Erfolg, weil wir es geschafft haben, mit unseren Modellen eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Bei uns in den Niederlanden assoziiert man E-Bikes oftmals mit älteren Leuten. Jetzt, nach unserem Launch, zeigen auch viele jüngere Menschen Interesse. Wir haben teilweise 16-jährige Teenager, die in ein VanMoof Electrified S investieren.

In meiner Vorstellung waren E-Bikes bislang immer prädestiniert für Rentner oder wie Du schon sagst, ältere Leute. Bei der Recherche zu Eurem Unternehmen dachte ich erstmals: Cool, auch geeignet für Brooklyn, nicht nur für die Trasse in Recklinghausen. Lass uns einen Blick in die Glaskugel werfen: Wo siehst Du Dich und Euer Unternehmen in zehn Jahren?
Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Ein junger Typ in New York sagt sich in zehn Jahren: „Ich brauche ein Fahrrad!“. Anstatt zum Supermarkt zu laufen, um sich ein 400-Dollar-Modell zu kaufen, welches nach drei Monaten Mängel aufweist oder anfängt, auseinander zu fallen, überlegt er es sich anders. Er klappt den Rechner auf und geht auf unsere Website vanmoof.com. Er schaut sich auf unserer Seite um und kauft eines unserer Modelle, die bei rund 600 Dollar anfangen. Er legt zusätzliche 200 Dollar von der Supermarktvariante drauf und investiert in eines unserer Räder. Innerhalb von acht Stunden wird es ihm fertig geliefert. Die ersten zwei Jahre soll er sich nicht mit zeitaufreibenden Wartungen rumschlagen müssen, das fällt aufgrund perfekter Fertigung weg. Wird sein Fahrrad gestohlen, kann er es sich bequem orten lassen und hat es innerhalb weniger Stunden zurück. Ich möchte unseren Kunden von diesen Barrieren befreien. Unser Anspruch? Modelle, die sofort fahrbar und ohne Umstände nutzbar sind! Das wäre mein Wunsch für die Zukunft!


Klingt gut…
Genau das wollen wir erreichen. Immer wieder höre ich Geschichten von Leuten, die auf fragwürdige Angebote vom Discounter reinfallen. Die sind nicht mal besonders günstig. Traurig werde ich, wenn ich dann höre, dass sie das mangelhafte Rad nach ein paar Monaten stehen lassen und völlig gefrustet keine Lust mehr aufs Radfahren haben. Das ist doch alles andere als erstrebenswert.

Als ich mich mit Eurer Firmengeschichte auseinandergesetzt habe, ist mir immer wieder Eure Online-Affinität aufgefallen. Inwieweit lasst ihr euch von den Sozialen Medien beeinflussen?
Erstmal beeinflussen sie uns, weil wir Dank ihnen nicht Unmengen an Geld in Werbemaßnahmen investieren müssen. Stattdessen haben wir mehr finanziellen Spielraum für unsere Produktdesigner. Wir haben sehr viele Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Bereich tätig sind – sie machen ungefähr ein Drittel des gesamten VanMoof-Teams aus. Designideen und -gedanken können wir in den Sozialen Medien teilen, können so spielerisch unsere Geschichte nach außen transportieren. Die Sozialen Medien haben einen enormen Einfluss auf die Produkte, entscheiden immer öfter über Erfolg oder Misserfolg. Ganz gleich ob Hardware, Waschmaschine oder Fahrrad – story telling im Internet gehört dazu!

Führe Deine Gedanken gerne etwas weiter aus…
Das Ganze lässt sich sehr gut am Beispiel unserer Fahrradbranche veranschaulichen: Die Industrie ist im Wandel, nicht zuletzt aufgrund von Globalisierung und Spezialisierung. So wird es in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr in jedem Land zehn große Anbieter geben. Es wird wohl eher international erfolgreiche Fahrradhersteller geben, die gegebenenfalls nur ein einzelnes Modell, und nicht zig verschiedene Ausführungen, anbieten. Mit VanMoof haben wir den Anspruch, die Nummer Eins für Stadträder zu werden.

Ihr habt ein klares Ziel vor Augen, spannend! Kommen wir auf Dich zu sprechen: Gibt es rückblickend irgendeinen Rat, den Du gerne zu Beginn Deiner Karriere gehört hättest?
Klar. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich damals darauf gehört hätte! (lacht) Viele junge Unternehmer denken: Hier bin ich, der Markt wartet auf mich und meine Ideen! Die Realität sieht oftmals anders aus. Es war verflixt schwer seinen Platz zu finden – die Fahrradbranche ist großartig, aber auch ausgesprochen konservativ. Es braucht seine Zeit, bis man mit seinen Ideen akzeptiert wird. Rückblickend waren es zwei Kalenderjahre, bis wir mit VanMoof einen festen Platz eingenommen hatten. Da draußen wartet niemand auf Innovationen, und die Konkurrenz ist groß. Meinem jüngeren Ich hätte ich diese Erkenntnis gerne weitergegeben.

Eine abschließende Frage bzw. ein Tipp für unsere Leser: Hast du eine Lieblingsstrecke zum Radfahren?
Selbstverständlich, ja! Ich liebe die Verbindung von Brooklyn nach Manhattan. Auf der alten Brücke ist ein sehr, sehr schöner Radweg. Er verläuft oberhalb des Straßenverkehrs und beim Radeln lässt sich die einzigartige Aussicht genießen. Tagsüber ist die Strecke ziemlich überlaufen, abends ist es hingegen leerer und man profitiert vom Lichtermeer der Skyline. Wenn ich an die Brücke denke, habe ich das Geräusch ihrer knarzenden Holzdielen im Ohr – wunderbar.

Bislang bin ich nur zu Fuß dort gewesen, nächstes Mal werde ich deine Empfehlung beherzigen und mir ein Rad ausleihen. Irgendwelche Favoriten in Amsterdam?
Bei uns vor Ort habe ich natürlich auch Lieblingsstrecken. Letztes Jahr wurde zum Beispiel der Radweg unter dem Rijksmuseum eröffnet, ebenfalls eine unvergleichbare Sicht. Ich fahre gerne darunter her und genieße den Blick ins Museum.

Ein sehr schöner Abschluss: Ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

Hat euch das Interview gefallen? Ich freue mich über euer Feedback! Apropos: Kennt ihr schon das neue E-Bike aus dem Hause VanMoof? Ich freue mich über eure Nachricht.
In ein paar Tagen melde ich mich an dieser Stelle mit einem Electrified S-Testbericht aus Berlin zurück…

Mehr Informationen: https://www.vanmoof.com/de_de/

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