Meinung

Sind Modeläden bald ganz aus der Mode?

Sieht irgendjemand gut darin aus und wer von meinen Kunden will das kaufen? … diese Fragen müssen sich die Einkäufer von High Fashion stellen. Und auf die Frage „Wie viele Teile aus einer neuen Kollektion bekannter Modehäuser (Labels) taugen Ihrer Ansicht nach wirklich zu Hits?“, hat Albert Eickhoff geantwortet: „Maximal zehn Prozent, also etwa 15 Teile. Man muss ein Händchen dafür entwickeln, die zu finden“ (Handelsblatt No. 246, im Interview von Thomas Tuma und Christoph Kapalschinski).

Für Marketingmenschen sind auch die chicsten Modeläden in den überteuerten 1A-Lagen der Innenstädte von Großstädten nur einer von fünf Vertriebskanälen, die es heute für High Fashion gibt: den gehobenen Modehandel, so etwas wie Eickhoff und seine recht überschaubare Zahl an Kollegen, bis hin zu Renommierläden wie Breuninger by Liebeskind … die Concept-Stores mit ihrer maximal verdichteten Auswahl ganz besonderer Marken und wenigen, ausgesuchten Stücken daraus; dann gibt es da natürlich die prachtvollen Maisons, Flagshipstores und Vorzeigeläden der Luxus- und High Fashion Marken, die seit einigen Jahren besser als Pilze nach dem Regen überall aus dem Boden wachsen … das Designerkaufhaus, in unseren Breiten weder so üblich, noch so attraktiv und erfolgreich wie Bergdorf Goodman, Le Bon Marche und Kollegen … und zuletzt gibt es ja auch noch den Onlinehandel mit Luxusbekleidung und allen Designermarken. Rein auswahltechnisch ist der schwer zu schlagen. Da wird Modekauf zur Schwerstarbeit.
Der Diversifikationseifer der Expansionsleute der Modemarken und des Modehandels, übersteigt jede Fantasie. Erst recht, wenn die günstigeren Zweitlinien verkauft werden sollen. Nur bei Saturn und dem Tante Emma Laden um die Ecke, gibt es noch keine Polos by Ralph Lauren …

Arme glückliche Verbraucher, die unzählige Stunden ihres Lebens vor 17-Zoll-Bildschirmen hocken, um die Kraut-und-Rüben-Sammlung aus Klamotten bei Zalando, eBay und Dingsbums zu sichten und zu vergleichen. Hoch leben der Fehlkauf und DHL!
Aber auch die kafkaesken Auswüchse wie ferngesteuerten Kaufens in Onlineshops sind nicht schuld daran, dass Eickhoff seinen Laden im Frühjahr für (vorerst) 10 Jahre an LVMH, für Dior, vermietet.
Wobei sich die Miete in der Königsallee nur noch die Luxuskonzerne und marktführenden Textilhandelsketten wie ZARA und H&M überhaupt leisten können. Beziehungsweise, sie treiben sie mit ihrer Expansion immer weiter in unerreichbare Höhen. So gut kann die Idee für einen „unabhängigen“ Laden in der Kauffinger- oder Maximilianstraße gar nicht sein, dass sie nicht an den Mietpreisen scheitert.

Schuld ist auch das verteufelt gute Luxusmarkenmarketing. Die bittere Wahrheit, so Eickhoff, dieselben Labels, die er vor Jahrzehnten hoch zu päppeln begann, lassen ihn heute am ausgestreckten Arm verhungern, wenn es um de Freiheit geht, nur das aus den Kollektionen zu ordern, was auch wirklich gut ist und läuft. Zum Beispiel die besten Handtaschenmodelle, die Luxusmarken heute lieber in ihren Maisons exklusiv anbieten. Wegen der optimalen Präsentationsbedingungen, die Flagshipstores nun mal bieten. Aber kann man deshalb wirklich schon vom Ende einer Ära sprechen, für das die Geschäftsaufgabe Eickhoffs stehen soll?

Was macht die anderen Vertriebskanäle plötzlich um vieles attraktiver und wie geht es Eickhoffs Kollegen und ihren Traditionsmodehäusern? Eine Antwort darauf gab es hier vor ein paar Tagen, da hatte Peter das Interview mit Michael Braun vom Modehaus Unger in Hamburg gebracht … aber man kann da die Standorte und den Charakter der Läden leider nicht 1:1 vergleichen.

Der klare Vorteil der Maisons: man kann sich zumindest der Illusion hingeben, im Flagshipstore „alle“ Modelle aus den jüngsten Prêt-à-porter zu finden. Für Fans, die ihrer Marke fast schon religiös verfallen sind, ist das gut. Aber irgendwo da draußen, in den weiteren 3203 Stores, die alleine LVMH als Monolabel-Stores weltweit führt, geht es auch sortimentstechnisch immer noch besser. Das pure Glück der Jen-Millionärin aus Hongkong, ist der Phantomschmerz der Fashionista aus München. Auch wieder doof!
Da kann man dann gleich einen der guten Concept-Stores aufsuchen. Dort bekommt man die Essenz aus dem Besten einfach vorgesetzt. Vorausgesetzt, man teilt Philosophie und Geschmack des Eigners und Einkäufers.

Aber wem selbst alles noch immer zu wenig ist, dem kann im Luxus-Onlineshop angeblich geholfen werden. Und wer wüsste besser, was es dort alles zu kaufen gibt, als ich. Die Suche nach „Schönen Sachen“ für Querbeet-Modeberichte, macht mich zumindest gefühlt zur Nummer 2 bei Net-a-porter, Stylebop, Mytheresa und Luisaviaroma. Und spätestens dort ist mir aufgefallen, wie recht Albert Eickhoff hat: Nur zehn Prozent (von 150 Teilen) einer Kollektion sind so gut, dass sie den Best-of-Test bestehen. Aber die Einkäufer im Onlinehandel schlagen lieber richtig zu. Da gibt es Seiten, auf denen der Hinweis „This Is A Warning … „ fehlt. Und die Fehlkäufe fressen das Budget, auch wenn man die Teile zurückschicken kann.

Bei aller Liebe zu Onlineangeboten, ich bin gefühlt seit dem Ende des 30jährigen Krieges im Thema, aber selbst mir würde nicht gelingen, unter den 684 Kleidern, bei nur einem Onlinehandel, das objektiv beste (im verfügbaren Budget) zu finden. Das muss ja gelingen, ohne „gleichzeitig“ mehrere anprobieren zu können!??!! Wie soll man so das perfekte finden? Da macht die zu klein geratene „Vergleichs- und Auswahlabteilung“ unseres Gehirns ja nicht lange genug mit.
Und das treibt uns geradewegs in die Arme von Albert Eickhoff, der immer wusste, wovon die Finger zu lassen sind, weil wirklich niemand darin gut aussieht. So mache ich das übrigens auch. Egal, ob die Bilder aus einem Defilee oder Teile für einen Querbeet-Bericht – buchstäblich in mindestens zwei Durchgängen heraus kuratiert werden. Das Fazit daraus: Dass Frauen angeblich heute Fachleute wie Eickhoff und seine Kollegen nicht mehr brauchen, dem widerspreche ich!

Niemand muss das für sich beste Kleid eines Designers tragen. Den Anspruch stelle ich nicht. Aber wenn man schon erhebliche Teile seiner besten Jahre vor dem Bildschirm mit Onlineshopping verbringt, dann wäre es schön, wenn das Kleid, das man am erschöpften Ende der Durchackerei-folgt-auf-Sichtung-die nach-der-Erstschau-kam, behält, auch wirklich schön wäre … einem richtig gut steht, zu den Proportionen und Maßen passt.

Und das sehe ich leider viel zu selten. Dabei müsste man sich dafür nur vor dem Spiegel in einem dieser antiquierten Traditions-Modehäuser drehen. In einem Kleid, das jemand mit gutem Geschmack ins Sortiment genommen hat, der wirklich etwas von Mode und Frauen in Mode versteht … oder? Was sagt ihr dazu, liebe LeserInnen?

Weil Horst für so was viel zu cool und nett ist, habe ich für die absoluten Scheußlichkeiten, die ich als Beispiele im Onlineshop für euch raus gekramt habe, nicht meine erste Abmahnung bekommen 😉 … aber bitte nicht nachmachen!

  • Siegmar
    20. Januar 2014 at 10:25

    Ich wünsche mir einfach das der gehobene, inhabergeführte Einzelhandel nie verschwinden wird. Ich mag es sehr in einem Laden kompetent und freundlich behandelt zu werden. Online macht kein Einkaufsfeeling und meist entsprechen die bestellten Sachen nicht meinen Vorstellungen, wenn sie dann real in den Händen hält.

  • Annemarie
    20. Januar 2014 at 19:55

    Ich war in meinem Leben nur ein einziges Mal bei Eickhoff drin und ganz schnell wieder draußen. Bin von der Verkäuferin so arrogant von oben herab behandelt worden (Zitat „Ihre Größe führen wir hier nicht!“ – samt abfälligem Gesichtsausdruck). Ich hab mich so unwohl gefühlt, dass ich den Laden nach wenigen Sekunden schon wieder verlassen habe.
    Und mir vorgenommen, sollte ich (wider Erwartens) jemals reich werden und nicht mehr aufs Geld achten müssen: DORT kaufe ich garantiert NICHT ein! Lg, A.

    P.S.: Sind eigentlich ALLE reichen Frauen dünn?

  • Julia
    21. Januar 2014 at 09:19

    Mir ging es genauso wie Annemarie. Schon das wartende Spalier an „Modeberatern“ im Eingang bei Eickhoff war einschüchternd. Ich habe Respekt vor der Entscheidung aufzuhören und ich finde diese auch richtig, denn das Konzept hätte dringend eine Verjüngung benötigt, um weiterbestehen zu können neben z.B. der „Luxus“-Etage eines Breuninger….. Hätte ich dort Berater sein dürfen, wäre meine Empfehlung gewesen, sich einen jungen mutigen Einkäufer von aussen zu holen, einen Laden-Designer und einen Ideengeber, um sich zu überlegen wie die Transformation der Idee des Modesalons in die Jetzt-Zeit gelingen könnte. Denn die jüngere Generation ist dem Laden total verloren gegangen. Die geht in D-Dorf lieber zu Jades.

  • Siegmar
    21. Januar 2014 at 11:32

    Claudia Skoda hat in Berlin immer mutige Ladenkonzepte gehabt und natürlich erstklassische Mode geboten, deswegen hat sie Bestand.

  • Daisydora
    21. Januar 2014 at 11:43

    @Siegmar

    Das hoffe ich mit Dir und sicher noch einigen hier … der muss sich aber auch irgendwie wieder neu erfinden. Die Innovativsten Kaufleute sind hier ja nicht eben zu finden … und ich bin auch kein großer Onlinekäufer bei Mode (auch nicht bei Büchern und Musik), nur dann, wenn es etwas im Laden nicht mehr gibt, mache ich mich online auf die Suche …

    Aber ich bin auch nicht gerade der Typ Verbraucher, der schon das Joghurtregal wie die Mona Lisa im Louvre betrachtet. Ich weiß, was ich kaufen will …. 🙂

    @Annemarie

    Schade, dass man Dich so empfangen hat, aber das kann einem fast überall in Deutschland passieren. Seltsamerweise verkauft hier fast niemand gerne … und die Kunden, das ist meine Wahrnehmung, sind von den zum Glück vorhandenen Ausnahmen abgesehen, leider auch nicht gerade freundlich …

    Nein, ganz sicher sind nicht alle reichen Frauen dünn … aber die Körperwahrnehmung und das, was man für normal oder schlank hält, hat sich in den letzten zehn Jahren bestimmt hin zu einem absoluten Unsinn verrückt … 🙂

    Liebe Grüße

    Daisy

    @Julia

    Ist ja schlimm!! Diese Spaliersituation kenne ich, das verstärkt Schwellenängste … aber die typische Düsseldorferin ist ja nicht abzuschrecken, so kommunikativ oder redselig, wie die Damen hier sind ….

    Was das Sortiment anbelangt, gebe ich Dir nicht ganz recht. Ich finde Breuniger, abseits der Luxusabteilung, viel biederer, fast schon verzopft (so viel Beige und Braun) … und bei Eickhoff wurde immer sehr auf körperbetonte Silhouetten geachtet … aber auch Roland Mouret, Dior, etc. mag nicht jeder. Aber neue Impulse hätte der Laden gebraucht, ganz bestimmt …

    Interessant, was Du da von Jades berichtest. Ich versuche es immer wieder, aber schon am Eingang springt mich dieser düsseldorfer Verona Pooth-eske Nieten-in-Gold-Chic an, den ich partout nicht ausstehen kann … allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann … 🙂