Uhren

SIHH … Die Neuvorstellungen und Premieren / Teil 1

(Foto: © SIHH; mit freundlicher Genehmigung)

Grüezi, jetzt aber: Nachdem ich in den letzten Tagen bereits ausschnitthaft über die SIHH in Genf berichtet hatte, werfe ich nun einen Blick auf die Neupräsentationen der einzelnen Traditionshäuser und Uhrenunternehmen. Informationen zu Neuerungen bzw. Marktanpassungsoptionen der Luxusmesse habe ich angerissen, Krisengründe der Branche zusammengefasst. Jetzt geht es schrittweise um Innovationen, Storytelling und klar: Die ein oder andere Weltpremiere. Den Anfang machen die Stichworte „Förderung der Zugänglichkeit & Einsteiger“ und „Preisattraktivität“. In (fast) allen Pressekonferenzen und CEO-Statements wurde mindestens eines der oben genannten Schlagworte aussagekräftig platziert. Klar, dass Montblanc, Baume & Mercier und andere dem Trend folgen und mit Einsteigeruhren oder günstigeren Modellen auftrumpfen. Ich liebäugele bereits mit der einen oder anderen Herrenuhr und habe meine Favoriten ausgemacht. Erst einmal versuche ich mich aber objektiv zu halten, anbei eine Übersicht der ersten drei SIHH-Aussteller:

Baume & Mercier
Sportsgeist – Gewohnt dynamisch und jung präsentiert sich das 1830 gegründete Uhrenunternehmen auf dem diesjährigen Salon. Clifton Club heißt die neueste Errungenschaft, eine vielseitige Linie mit Automatik-Taucheruhren. Kenner werden an dieser Stelle aufhorchen, denn wirklich neu ist in meiner Launch-Ankündigung nur das Wort Club – die Clifton Kollektion bildet schließlich seit Jahren eine der Hauptsäulen des Traditionsunternehmens. Die neue Uhr für den sportlichen Gentleman besticht durch markantes Design, Edelstahlfertigung und ein rundes 42-mm-Gehäuse. Einstiegspreise liegen bei unter 2000 Euro. Der Zeitmesser ist bis 100 Meter wasserdicht und bietet sich somit als optimaler Begleiter für Wassersportarten an.

Baume & Mercier Clifton Club © Baume & Mercier

Baume & Mercier Clifton Club © Baume & Mercier

Interessenten wird eine Auswahl an fünf verschiedenen Versionen geboten: Zwei davon mit einem Gehäuse aus poliert-satiniertem Edelstahl, schwarz oder weißem Ziffernblatt und einem „all roads“-Kalbslederarmband. Ich fühle mich an die Haptik von Segeltüchern erinnert, als ich mir die Oberflächenstruktur des Armbands genauer anschaue. Zwei weitere Versionen haben ein schwarzes oder blaues Ziffernblatt, diesmal kombiniert mit Edelstahlarmband. Das fünfte und letzte Modell kommt in schwarzem Ziffernblatt und einem schwarzen Stahlgehäuse daher. Um das kleine Schwarze für den Mann perfekt zu machen, erhält die matte Version ein Armband aus vulkanisiertem, durchbrochenem Kautschuk – na klar, all black im Auftritt!

Baume & Mercier Clifton Club © Baume & Mercier

Jetzt aber zur limitierten Auflage der Genfer Maison, einem Garant in Sachen gelungenes Storytelling: Baume & Mercier trumpft für das Jahr 2017 mit einer Hommage an das Shelby Daytona Coupé auf. 1964 gewann die Autorenikone in Le Mans seinen Geschwindigkeitsrekord, Pete Brock zeigte sich damals verantwortlich für die Karosserie und setze damit Standards in Sachen futuristisches Design. Heute sind die rar gesäten Fahrzeugmodelle Millionen wert. Ein kluger Streich also, dass sich der Automobildesigner Brock zu einer Neuinterpretation für die Luxusuhrenbranche hat bewegen lassen. Heraus kam die Clifton Club Shelby® Cobra, ein nicht zu leugnender Vergleich zum schnittigen Rennwagen. Die Uhr ist mit einem automatischen Schweizer Manufaktur-Uhrwerk mitsamt Flyback-Funktion ausgestattet. Auf diese Weise können mit dem Drücker die einzelnen Funktionen des Chronographen separat aufgerufen werden.

Baume & Mercier Clifton Club Shelby® Cobra © Baume & Mercier

Das 44-mm-starke Gehäuse ist aus Titan gefertigt. Auf dem Gehäuseboden ist der charakteristische Reifen des Daytona Coupés vom Namen der Kollektion und der Seriennummer umrandet. Habe ich etwas vergessen? Oh ja, das eigentliche Augenmerk, ein persönlich von Peter Brock entwickeltes Ziffernblatt! Zur Hälfte blau, zur anderen Hälfte silberfarben eingefärbt, erinnert das Modell unweigerlich an die Merkmale des Hecks des Daytona. Interessenten, schnell sein lohnt sich: Mit einer Auflage von nur 196 Modellen wird der schnittige Handschmeichler sicher schnell ausverkauft sein. Denn erfahrungsgemäß ist die vor zwei Jahren gegründete Partnerschaft mit Carrol Shelby ein sehr, sehr großer Run.

Montblanc
Weg aus der Schweiz, hin zum Hamburger Norden – Wir machen einen (Marken-)Wechsel und bewegen uns von Baume & Mercier zu Montblanc. Die Profis in Sachen Schreibgeräte und Lederwaren, haben sich im Laufe der Jahre ein weiteres, nicht zu verachtendes Standbein aufgebaut: Luxusuhren. 1997 gründet das Unternehmen seine eigene Manufaktur im Schweizer Jura, aufgrund der rasant steigenden Nachfrage wurde 2007 zusätzlich die traditionsreiche Uhrenmanufaktur Minerva in Villeret übernommen. Heute trumpft Montblanc mit einem der größten Stände der SIHH auf, Chapeau. Selbst Kritiker können nicht leugnen, dass sie sich qualitäts- wie innovationsmäßig an der Spitze der führenden Uhrenunternehmen bewegen und da so schnell auch nicht wegzudenken sind. Auch hier geht es für 2017 rasant zu, Pferdestärken samt rauchendem Auspuff!

Links: Montblanc TimeWalker; rechts: Montblanc TimeWalker Chronograph Automatic © Montblanc

Die glamouröse Ära des Autorennsports, scheinbar Trendthema auf dem diesjährigen Salon. Mit der TimeWalker Collection präsentiert die Hamburger Maison auffällig markante Uhren und vereint damit gekonnt Technologie und Vermächtnis. Na nu, klingt das nicht etwas zu mystisch ausgedrückt? Keinesfalls! Signalfarbe Rot – Das Team um Noch-CEO Jerome Lambert (er wird künftig mit Georges Kern, Noch-CEO bei IWC, an der Spitze des Richemont-Konzerns tätig sein) und Davide Cerrato (verantwortlich für Uhrenfragen bei Montblanc und ehemaliger Marketingleiter bei Tudor) sind clever genug, um sich in der Sparte auf ihre Wurzeln zu besinnen: Die legendären Zeitmessgeräte made by Minerva.

So lassen sich an feinen Details, wie z.B. rotgefärbten Sekundenzählzeigern samt Pfeilspitzen oder dezenten Details, Bezugspunkte ausmachen. Klar sichtbar bei der TimeWalker Chronograph Automatic, die mit 43-mm und einem satinierten Gehäuse aus Edelstahl daherkommt. Das Modell wird, im Gegensatz zum Chronograph UTC, ohne zweite Zeitzone angeboten. Eine klare Aufteilung des Ziffernblatts? Dem Basiskaliber Sellita SW 500 sei Dank! Wasserdichtheitstechnisch (was für ein Wort) ist das gute Stück bis 100 Meter aufgestellt, hört sich ebenfalls gut an. Preislich liegt die automatische Variante mit Keramik-Lünette bei unter 4.000 Euro, das Stichwort „Preisattraktivität“ poppt unweigerlich im Kopf auf. Dieselbe Uhr gibt es für einen weiteren Tausender auch mit schwarzen Vollkeramikgehäuse und zweiter Zeitzone. Montblanc kann natürlich auch cher, très cher. Der TimeWalker Chronograph 1000 veranschaulicht die Produkt-Preis-Spannbreite hierfür am besten: Gerade einmal 18 Exemplare wird es weltweit geben, das Sammlerstück ist dafür aber auch in der Lage auf eine Tausendstelsekunde genau zu stoppen.

Links: Montblanc TimeWalker Chronograph UTC; rechts: Montblanc TimeWalker Chronograph 1000 © Montblanc

Branchenkenner fangen an zu munkeln, als wir das Meisterstück während der Pressekonferenz hautnah erleben dürfen. Ein filigranes Spiel aus 488-Einzelteilen vereint sich in dem edlen Handschmeichler. Stolze 175.000 Euro muss man für das ein oder andere Patent auf den Tisch legen – welch ein Glück, dass mein Favorit der kostengünstigere Edelstahlchronograph ist! Bevor Euch und vor allen Dingen mir der Kopf an Technik-Info-Input raucht, hier eine Meldung aus dem Bereich „VIP & People“: Das deutsche Model Lena Gercke wird auf der SIHH als deutsche Markenbotschafterin vorgestellt und ergänzt damit Schauspieler Clemens Schick. Mit Charlotte Casiraghi und Hugh Jackman ist das Hamburger Traditionsunternehmen weiterhin auf dem internationalen Markt aufgestellt, eine rundum gute Wahl.

Roger Dubuis
Abenteuer, Avantgarde & Pirelli – Äußerst spektakulär geht es nur einige Meter an einem anderen Stand weiter. Roger Dubuis ruft zur Schau, die bild- und geräuschtechnisch an destruktiv gedüngte Emmerich-Blockbuster erinnert. Das Uhrenunternehmen – 1995 gegründet – hat sich augenscheinlich auffällig, mitsamt Leuchtinstallation und Riss in der Hochglanzvertäfelung, Platz auf der SIHH verschafft. „Dare to be rare“ heißt das Konzept für die kommende Saison und startet mit einer Weltpremiere: Das Modell Excalibur Spider Carbon verfügt über ein Handaufzugswerk, bei dem Brücken, Platine und Tourbillonkäfig komplett aus Karbon gefertigt sind – eine absolute Neuheit. Das skelettierte Gehäuse besteht aus mehrschichtigem Karbon, in markanter Rot- und Schwarzkombination ein echter Hingucker.

Roger Dubuis Excalibur Spider Carbon © Roger Dubuis

Auch beim Armband wird an die beiden Farben angeknüpft, Tech-Kautschuk rundet das auffällige Schätzchen ab. Dubuis wäre aber nicht Dubuis, wenn es bei Details bleiben würde. „Wenn schon Traditionen brechen, dann aber richtig und mit Stil“, scheint das unausgesprochene Motto des Unternehmens zu sein. Bei der Spider Carbon bestehen sowohl die Krone, als auch Gehäuseboden und -band aus Titan. Bei der Dekoration des Ziffernblatts fühle ich mich unweigerlich an den Kühlergrill eines Autos erinnert. Gerade einmal 28 Exemplare wird es auf dem Markt geben, mit 214.000 Euro garantiert kein Schnäppchen.

Die einzelnen Modelle des Hauses wirken am Handgelenk als nicht zu übersehendes Statement-Piece, dezente Zurückhaltung no, no. Das Messepublikum? Steht in Scharen vor den neuen Uhren und feiert die Experimentierfreudigkeit des Unternehmens! Dann wäre da noch die Zusammenarbeit mit dem Reifenhersteller Pirelli zu erwähnen, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal aus dem Hause Roger Dubuis: Die Excalibur Spider Pirelli Double Fyling Tourbillon wurde mit einem Armband ausgestattet, welches aus Pirelli-Reifen-Gummi besteht. Na, okay: Nicht irgendein Gummireifen, das wäre schließlich nicht im Sinne des extravaganten Unternehmens. Es ist hergestellt aus den Reifen des Wagens, der Lewis Hamilton beim Grand Prix in Monte Carlo zum Sieg verholfen hat. Kein Wunder also, dass so viele Leute zum Schauen Schlange stehen.

Roger Dubuis Excalibur Spider Pirelli Double Fyling Tourbillon © Roger Dubuis

Manch ein Klassikfan rümpft die Nase, andere feiern den Coup und wieder andere rufen wahrscheinlich just in dem Moment bei ihrer zahlkräftigen Kundschaft an: „Ja, hallo? Wir haben etwas Exquisites für Sie. Sie sind doch Formel-1-Fan, nicht?! Genau, Sammlerstück… Preis liegt bei überschaubaren 324.000 Euro. Bestellen? Ja, okay! Wird in Auftrag gegeben…“ Ich für meinen Teil lasse mir noch allerlei Facts und Hintergrundwissen erklären, es gibt eine schier unendliche Menge an Informationen und Neuvorstellungen zu entdecken. Vielleicht ergibt sich an einer anderen Stelle eine ausführliche Berichterstattung. Mit schwirrendem Kopf und farbenfrohen Gedanken geht’s weiter zum nächsten Stand…

Für Rückfragen und Kritik bin ich jederzeit dankbar und freue mich auf Eure Kommentare. Als Abschluss sei noch einmal betont: Ich arbeite mich gerade erst in die Materie ein. Bei der Beschreibung der Uhren ist damit hoffentlich der ein oder andere Fauxpas entschuldigt 😉

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  • PeterKempe
    1. Februar 2017 at 19:47

    Tausend Dank für die tollen Neuvorstellungen! Die Montblanc Uhren find ich besonders chic! Auch wenn ich nicht sehr für Uhren brenne, durch dich bekommt man großen Spaß sich näher damit zu beschäftigen und kommt auf den Geschmack…

  • Georg
    2. Februar 2017 at 10:54

    Schöne Uhren dabei, wobei mir der Sinn mit Pirelli nicht erschließt. Dubius Uhren funktionieren auch ohne Reifen 😉

  • SIHH … Die Neuvorstellungen und Premieren / Teil 2 | Horstson
    6. Februar 2017 at 10:28

    […] Mercier, Montblanc und Roger Dubuis habe ich bereits unter die Lupe genommen (den Artikel gibt es hier zum Nachlesen), weiter geht’s mit Cartier, Lange & Söhne und Panerai. Ich […]