Beauty

L’Envol de Cartier – Ein Duft von Mathilde Laurent

(© Cartier)

Wenn Cartier einen neuen Herrenduft herausbringt, wird man sofort an große Erfolge wie Santos oder auch Les Must de Cartier erinnert – der „König der Juweliere“ hat damit Düfte erschaffen, die bis heute Maßstäbe setzen und zu Duftklassikern avancierten.
Geht es um Männerdüfte, kann das Haus auf viele berühmte Persönlichkeiten zurückgreifen, die nicht nur die Uhren oder den Schmuck von Cartier trugen. Pierre, Louis und Jacques Cartier waren mit sämtlichen Pionieren ihrer Zeit befreundet und arbeiteten nur zu gern mit diesen Visionären – insbesondere dann, wenn es um technische oder handwerkliche Weiterentwicklungen ging. So hatte zum Beginn des Ersten Weltkrieges noch fast jeder Mann eine Taschenuhr, die meist an einer Kette hing. Die Armbanduhr, die der Flugpionier Alberto Santos Dumont in seinen knatternden Flugzeugen trug, wurde speziell von Louis Cartier für ihn entwickelt. 85 Jahre nach Dumonts Tod inspirierte er jetzt die renommierte Parfumeurin Mathilde Laurent, den Duft L’Envol de Cartier zu kreieren.
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Mathilde Laurent; © Cartier

„Envol“ bedeutet so viel wie ‚Abflug‘, allerdings ging es Laurent weniger um das Starten zu einem Flug, als vielmehr um einen intellektuellen, philosophischen Ansatz: um den Flug in die eigene Freiheit.
Hinzu kommt ein Gedicht von Charles Baudelaires, das für L’Envol de Cartier Pate steht:

„Jenseits der sternbeglänzten ewigen Sphären
Dort regst du dich, mein Geist, so frei und jung!
Wie kühne Schwimmer durch die Wellen gleiten,
So ziehst du durch die unermessnen Weiten
Voll grosser, männlicher Begeisterung. […]
Steig’ auf zum Äther, Seele, werde rein!
Und trink wie einen starken Götterwein
Der lichten Räume himmlischklare Flamme.“
Charles Baudelaires, aus „Die Blumen des Bösen“

Baudelaire wird in Frankreich bis heute als Nationalheld gefeiert und hat schon Yves Saint Laurent oder auch Christian Dior zu ihren Kollektionen inspiriert.
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© Cartier

Als Erstes fällt bei L’Envol de Cartier natürlich der Flakon ins Auge. Er ist, wie die meisten Düfte des Hauses, ein bleibendes Schmuckstück – nachfüllbar, wohlgemerkt. Er gleicht einer Glasglocke, die in aufwendiger Handwerkstradition in Frankreich gefertigt wird. Gestaltet wurde der Flakon mit einem Metallverschluss als Hinweis auf die Ziseleure des Hauses, die Metall mit den feinsten Mustern in Handarbeit verzieren. Die Parfumampulle, die man immer wieder ersetzen kann, scheint in der Glocke zu schweben …
Der Duft selbst hat verschiedene Ebenen und beschreibt sich am Anfang am besten mit luftiger, orientalischer Note. Holziger Unterton und leichte Moschus Nuancen – alles sehr männlich und etwas für Persönlichkeiten, die Düfte mit Auftritt mögen.
Schließlich geht es um Grenzerweiterungen, um „ewigen Sphären“, wie Mathilde Laurent es beschreibt, von denen auch das Gedicht von Charles Baudelaire handelt und um die es auch Santos Dumont ging.
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© Cartier

„Was mich an Santos Dumonts Geschichte mit Blick auf die Idee des intellektuellen und persönlichen „Abhebens“ besonders inspiriert hat: Er war ein sehr atypischer Mann, sehr lustig, ein Künstler. Und gerade diese Eigenschaften, natürlich neben seinen Qualitäten als Ingenieur, führten ihn zum Erfolg“, erklärt Mathilde Laurent. „Für mich ist es die Fantasie, die Kreativität und die Genialität von Männern, die ihnen helfen, große Taten zu vollbringen – und nicht etwa ihre physische Stärke oder ihr technologisches Können. Zahlreiche Ingenieure in Santos-Dumonts Ära beschäftigten sich mit Flugtechnik, doch nur er kam auf die Idee zu einem Dinner auf drei Meter hohen Stühlen einzuladen. Das zeigt sehr deutlich, dass unsere Grenzen vielmehr intellektuell, als physisch oder technisch sind.“
Dass sich Struktur und Extravaganz nicht ausschließen, macht nicht nur neugierig auf den Duft, sondern auch Lust darauf, sich mit der Geschichte der fast vergessenen Biografie von Santos Dumont zu beschäftigen. Der Duft, den es als Eau de Parfum gibt, was natürlich in der Konzentration seinem Charakter sehr entgegenkommt, hat trotz Intensität fragile und feine Untertöne und begeistert auch Männer, die eher zu Klassikern oder Nischendüften greifen.

Mathilde Laurent, die sich seit elf Jahren um die Duftentwicklungen bei Cartier kümmert, hat schon viele personalisierte Düfte entwickelt, die ganz individuell und wie ein Couture Kleid den Kunden angepasst werden. Ihre Kreationen haben nichts gemein mit von vornherein auf Kurzlebigkeit kreierten Parfums. Bei Cartier setzt man auf Klassiker – schließlich sind auch die Uhren oder die Schmuckkreationen des Hauses von vielen Generationen für viele Generationen geschaffen worden. Dafür steht Cartier und das faszinierte seit 1847 gleichermaßen Könige, Schauspieler oder Staatsmänner.
Mit L’Envol de Cartier kann man mal abheben – zumindest in seinem eigenen Badezimmer beim morgendlichen Parfümieren…

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  • Siegmar
    1. November 2016 at 17:01

    bin sehr gespannt, Flacon ist toll. Declaration war lange mein Duft

  • Die Woche auf Horstson – KW 45/2016 | Horstson
    6. November 2016 at 15:51

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