Interview

Nachgefragt bei … Paul Boche

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(Männliche) Topmodels?! Der “Top”-Zusatz im Modegeschäft entwickelt sich immer mehr zum inflationären Privatfernsehen- und Teenagerjargon und lässt mich erst einmal stutzig werden. Paul Boche scheint Abhilfe zu schaffen und revidiert meine vorangegangenen Verbindungspunkte: Der sympathische Thüringer gehört seit Jahren zu den meistgebuchtesten Männermodels der Welt und hat definitiv das “Top” vor dem Model verdient. Ich hatte das Glück, Paul für ein kurzes Gespräch zu gewinnen und prompt begegnet er mir auf dem Nachhauseweg in der aktuellen Antony Morato-Kampagne …

Erzähle mir etwas über dich: Wie und wo wurdest du als Model entdeckt?
Ich war für ein Schul-Praktikum in Berlin und wurde auf der Straße mit folgenden Worten angesprochen: „Willst du Model werden? Reisen und nach Mailand, New York und Paris fliegen?“ Also habe ich mir die Karte geben lassen und zwei Wochen später war ich schon auf der Fashion Week in Paris unterwegs.

Hast du einen Lieblingsdesigner?
Fangfrage! Ich antworte diplomatisch: Es gibt einfach zu viele gute Designer da draußen…

Bester Modeljob bis dato?
Jeder Job hat seine Besonderheiten und ist für sich immer die Erfahrung wert! Die besten Jobs hatte ich allerdings immer dort, wo ich sonst nicht hingekommen wäre. Ein Geschenk ist es natürlich auch, wenn man mit tollen Kollegen arbeiten kann.
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Hast du schon einmal negative Erfahrungen gemacht?
Ist schon etwas länger her: Ich hatte ziemlichen Stress mit einem Mitbewohner in meiner WG in Mailand. Ich hatte wohl das Geschirr nicht abgewaschen – mein Mitbewohner bestand allerdings darauf. Das Problem war nur, dass ich unbedingt einen Flug nach Stuttgart bekommen musste und die Zeit wurde immer enger. Also habe ich die Ärmel hochgekrempelt, abgewaschen und letzten Endes meinen Flug verpasst. Es war ein sehr wichtiger Job und nach längerem Hin-und-Her mit meinem Agenten, entschied ich mich dafür ein Taxi von Mailand nach Stuttgart zu nehmen. Am Ende waren alle glücklich – der Kunde, der Agent, ich und natürlich der Taxifahrer!

Apropos Job, wie war die Zusammenarbeit mit Antony Morato?
Ein Traum! Der Videodreh auf den Straßen von Marseille war einmalig. Ich war zum ersten Mal dort und habe mich sofort in die Atmosphäre der Stadt verliebt. Alles war echt und authentisch Wir haben ja direkt auf der Straße gedreht, da entsteht eine ganz einmalige Interaktion mit den Fußgängern. Diese Energie habe ich aufgesogen.

Sesshaft bist du jedoch in Berlin und New York – Verrate mir bitte ein, zwei Tipps für …
… interessante Männermode?

Zeit für´s Modeshopping gönne ich mir selten. Wenn ich nicht gerade für einen Job unterwegs bin, versuche ich mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Falls ich doch mal Zeit und Lust auf Shopping habe, findet man mich in Läden rund um die Weinmeisterstraße in Berlin.

… die schönste Architektur?
Ohne Frage, Bauhaus. Ich finde es toll, wenn sich Funktion und Schönheit die Waage halten. Die Neue Nationalgallerie ist für mich eine Offenbarung, Berlin hat einfach eine Menge zu bieten.

Wichtigstes Reiseutensil?
Freunde und Internet!

Dein sportlicher Tipp für unsere Leser?
Niemals zu viel von einer Sache! Vielfalt ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt und ich achte schon auch auf die „richtigen Proportionen“ – habe ich mir wohl beim Bauhaus abgeschaut. (lacht)
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Inwiefern fallen dir Unterschiede zwischen Frauen- und Männermodels auf?
Es gibt so viele – der erste große Unterschied: Als ich gescoutet wurde, wusste ich nicht mal dass es erfolgreiche männliche Models gibt. Momentan ändert sich gerade so viel, es gibt nun auch männliche Supermodels. Es spiegelt letztlich nur die Branche wieder, Männer als Konsumenten sind immer interessanter für den Markt geworden.
Ein weiterer Unterschied ist die unterschiedliche Bezahlung: Frauen verdienen mehr, haben aber auch durschnittlich kürzere Karrieren. Natürlich ist der Markt der Frauenmode viel, viel größer als der von der Männermode.

Passende, wenn auch indiskrete Frage: Kannst du hauptberuflich vom Modeln leben?
Ja und ich bin unendlich dankbar dafür.

Hast du irgendwelche Ratschläge für angehende Nachwuchsmodels?
Immer Profi sein: Das Geschäft ist nicht einfach und nicht so, wie man es oft im Fernsehen gezeigt bekommt. Sei pünktlich, sei höflich und nimm es nie persönlich, wenn du nicht gebucht wirst. Gib niemals auf, das Business ist schnelllebig und Trends kommen und gehen. Wenn es heute nicht klappt, wird es vielleicht morgen etwas!

Wagen wir einen Blick in die Zukunft!
Ich werde viele verschiedene Dinge machen – Ein Model zu sein ist toll, ich sehe mich in Zukunft jedoch auch als Schauspieler. Außerdem bin ich noch Teil einer Band in Tokio. Am Ende geht es doch nur darum, glücklich zu sein. Genau das nehme ich mir für die Zukunft vor!
Paul Boche Antony Morato
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Paul, wir danken für das Interview!

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  • Siegmar
    6. Mai 2015 at 14:26

    sehr sympathischer Typ, sind die Fotos in Marseille gemacht worden, die find ich super.

  • Julian Gadatsch
    6. Mai 2015 at 16:45

    Hey mein Lieber,

    oui oui (so pflegt man ja vor Ort zu sagen), die Kampagne samt Video wurde in Marseille geschossen! Mich hat das Fernweh bereits gepackt, als ich die Fotos zum ersten Mal gesehen habe. 😉 Unser lieber Peter ist ja jetzt in Fraaannccceee vor Ort zu Hause und kann uns immer von den tollsten Ecken berichten.

    Beste Grüße aus HH,

    Julian

  • Siegmar
    7. Mai 2015 at 10:26

    Danke Julian und wo hast du mit ihm gesprochen in HH?

  • peter
    7. Mai 2015 at 22:26

    Übrigens ist Marseille tausend Mal besser als sein Ruf!! Es ist wirklich eine sehr sehenswerte Stadt und das Museum MUCEM ein echter Architektur Hit!

  • Siegmar
    8. Mai 2015 at 10:29

    @ Peter
    steht schon auf der Reiseliste, Freunde von mir waren gerade da und sind begeistert besonders von der Architektur des MUCEM. Wir planen mal eine Fahrt von Frankfurt mit dem TGV, wurde uns empfohlen.

  • Monsieur_Didier
    10. Mai 2015 at 12:03

    …ich habe das Interview gerade erst gelesen und finde Paul Boche durchaus sehr sympathisch…
    …vor kurzem erst habe ich einen Bericht über das MUCEM im Fernsehen gesehen und verspürte sofort den Wunsch, dieses Kleinod auch einmal persönlich vor Ort zu sehen…!