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Fließende Stoffe statt fließendem Geld …

(Karl Lagerfeld; Bild: Siebbi; CC BY 3.0)

Nanu, nanu: Ärger im Paradies? Eigentlich lasse ich bei Chanel-Themen schön die Finger von der Tastatur und überlasse die Berichterstattung unserem Couture-Profi Peter. Jedes Mal überrascht er mit Feinsinn und messerscharfer Berichterstattung, Horstson-Leser wissen wovon ich rede. In diesem Fall geht es jedoch nicht um eine Kollektionsbesprechung oder Neuankündigung aus Paris. Diesmal geht es um ein oscarreifes Modeschauspiel, bevor die Goldjungen für 2017 überhaupt verteilt worden sind. Im Ring stehen Schauspielikone Meryl Streep (die mir und dem Rest der medienempfänglichen Welt zuletzt durch ihre nachahmenswerte Anti-Trump-Rede im Kopf schwirrt) und Karl Lagerfeld. Besser gesagt: Chanel.

Wie so üblich geht vor der großen Vergabe des wichtigsten Filmpreises das Geschäft der Roten-Teppich-Garderobe einher. Wer trägt was? Welcher Schmuck, welches Kleid? Modemenschen wissen: Hier geht es um Hauen und Stechen. Nach außen hin Glamour und Zufallsgerätsel, hinter verschlossener Tür Vertrags-Tümmelei und feste Rahmenbedingungen. Schon Wochen vorher werden Bestellungen aufgegeben, die Stylisten der big player aus Hollywood haben ordentlich zu tun. Großes Buhlen, Einlösen bestehender Werbekooperationen oder Label-Anbiederei bei den Stars. Dass mit den großen Preisverleihungen oftmals horrende Summen an Geld fließen, ist branchenintern bekannt. Insofern bin ich etwas verwundert: WWD berichtet von einem Fauxpas, einem in Auftrag gegebenen Kleid aus der Couture-Schmiede Chanel.

Keine Geringere als Streep selbst sollte das edle Stück auf dem roten Teppich präsentieren. Garantiert kein schlechter Coup für beide Seiten: Chanel profitiert vom noch größer gewordenen Presserummel um die sympathisch wirkende Schauspielerin (schließlich ist sie zum zwanzigsten Mal nominiert), Streep selbst von einem Auftritt in einem Unikat aus dem französischen Traditionshaus. Was mich an der Geschichte nun wirklich stutzig macht? Der Deal scheint geplatzt zu sein. Wie, was, wo? So ist lt. WWD seitens Lagerfeld verlautet worden, dass Meryl Streep abgesprungen sei und auf den Couture-Entwurf verzichtet. Grund hierfür soll ein bezahltes Outfit eines anderen Modeunternehmens sein. So weit, so gut. Ich für meinen Teil hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass Chanel sich dahingehend absichert.

Vertragliche Bedingungen samt fettem Budget, nicht? Nun, so scheint es in diesem Falle nicht. So wie es aussieht hätte Streep das maßgeschneiderte Stück zwar behalten dürfen, jedoch nicht mit zusätzlichen Zuwendungen rechnen dürfen – und das in Zeiten von Attendance Fees für Blogger, bezahlten Kooperationen und ausufernde Budgets für „Pack mal mein Produkt in dein Outfit für die Paparazzi, ok?“. Um ehrlich zu sein war ich irgendwo auch happy über diese News. Chanel scheint das Spielchen nicht mitzumachen und setzt aufs Promi-Ausstatten statt -Investieren. Klar, es gibt garantiert Themen die wesentlich wichtiger sind. Und mit der Auseinandersetzung solcher Diskussionen bewegen wir uns randscharf an der mehr als fragwürdigen Oberflächlichkeit. Trotzdem ist das Ganze interessant zu beobachten, findet ihr nicht? Es ist nicht bloß schöne Klamotte, sondern ausgetüfteltes Geschäft, das Modebusiness.

Da ist es doch beinahe ein erfrischend-ehrliches Statement, dass Chanel selbst der sagenumworbenen Meryl Streep kein Budget in Aussicht stellt. Wohlgemerkt fürs Tragen eines Kleides.
Mittlerweile hat sich Meryl Streep lt. „Hollywood Reporter“ auch zu Wort gemeldet: Die Vorwürfe seien unwahr – aus ethischen Gründen lässt sie sich niemals für das Tragen eines Kleides bezahlen.

Was denkt ihr darüber? Ich freue mich von euch zu hören. Ich für meinen Teil bin gespannt, was sich die Grande Dame des Films stattdessen für den wichtigsten roten Teppich der Welt aussuchen wird…

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  • PeterKempe
    25. Februar 2017 at 18:17

    Chanel bezahlt grundsätzlich kein Geld fürs Tragen und schaut sich auch sehr genau an wen sie ausstatten… Die Personen, die Chanel tragen, sind meist offizielle Botschafter des Hauses oder dem Haus schon sehr lange verbunden. Meistens sind es aber regulär gekaufte Teile, die als Kunden erworben wurden.

  • Georg
    25. Februar 2017 at 20:39

    Einer lügt dann wohl

  • Elke Kempe
    26. Februar 2017 at 09:54

    Ob Managergehälter, Versicherungsforderungen Fußballprovis oder sogen.Promis,es kann nicht genug werden! Abartig !!

  • Die Woche auf Horstson – 08/2017 | Horstson
    26. Februar 2017 at 13:18

    […] ihr ausgesprochen gut. 3) Karl Lagerfeld scheint einen Streit mit Meryl Streep zu haben. Es geht um fließende Stoffe statt fließendem Geld. 4) Jan sagte uns auch diese Woche, was sich gehört. Dieses Mal mit Musik von Karen Elson, […]

  • Søren
    28. Februar 2017 at 08:18

    Mittlerweile hat Lagerfeld ja zugegeben, dass seine Informationen falsch waren, zu einer Entschuldigung hat es wohl noch nicht gereicht.

    Mag sein, dass Chanel sich genau anschaut, wen sie ausstatten, Karl Lagerfeld scheint da andere Vorstellungen zu haben, Melania Trump empfinde ich jedenfalls als keine gute Wahl. So sehr ich ein Fan von ihm bin, habe ich dennoch das Gefühl, dass die Rente ruft.