Damenmode

Dior Cruise 2017 – Blenheim Palace Oxfordshire

(Blenheim Palace; Bild: Dior)

Heute erscheint es neuartig, dass Modehäuser ihre Kollektionen in aller Welt zeigen und aufwendige Reisen dorthin inszenieren. Dabei handelt es sich hierbei um eine alte Tradition der Pariser Couture Häuser. Schon Paul Poiret machte samt Models und Kollektion regelrechte Tourneen, die ihn von Berlin bis Moskau führten. Jean Patou fuhr mit seiner ganzen Equipe durch Südamerika und durch die Vereinigten Staaten, um das zu präsentieren, was schon immer als der Inbegriff von Luxus galt – die Kreationen der Pariser Mode. In den letzten Jahren werden besonders gern die Cruise Kollektionen, also die Saison zwischen Winter und Sommer, an exotischen Orten gezeigt, wie zuletzt Nicolas Ghesquière in Rio de Janeiro oder Karl Lagerfeld in Cuba.
Eine besonders lange Tradition hat darin das Haus von Christian Dior. Der Modeschöpfer war der erste, der nicht nur Dependancen in London und New York eröffnete, sondern auch in fast jeder Saison große Schauen organisierte, um seine Entwürfe direkt vor den Kundinnen zu zeigen. Die Idee, dass das Modehaus zu den Kunden reiste und so die Kollektionen anfassbar machte, trug auch zu Diors Weltruhm bei und machte ihn in den Fünfziger Jahren binnen kürzester Zeit zum berühmtesten Kreateur der Welt.
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Bild: Dior

Schon zwei Mal, 1954 persönlich und 1958 mit der ersten Kollektion seines Nachfolgers, Yves Saint Laurent, bildete der großartige englische Blenheim Palace in Oxfordshire die Kulisse für Diors Schauen. 1954 wurde Christian Dior von der Duchess of Marlborough gebeten, zugunsten des englischen roten Kreuzes ein Charity Defilee zu veranstalten, zu dem über 2.000 Personen der britischen Gesellschaft geladen waren. Die Schirmherrschaft hatte niemand Geringere als Princess Margaret, die Schwester von Queen Elisabeth II., die zusätzlich noch ein großer Dior-Fan und -Kundin war.
Ein Ereignis, von dem noch jahrelang gesprochen wurde und das für viele britische Ladys in Zeiten des Aufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg wie eine Botschaft aus dem Märchenland wirkte.

Damals – heute kaum vorstellbar – dauerte die Schau zwei Stunden. Allein der Weg eines jeden einzelnen Mannequins durch die Salons und die Korridore des Schlosses betrug mehr als drei Meilen. Für die Cruise 2017 Kollektion lag es nahe, diese schöne Tradition genau an dem Ort wieder aufzunehmen, den Christian Dior sicherlich sehr geliebt hat. Mit dem Blenheim Express, einem historischen Salonwagen, ging es mit stilvollem Lunch von London ins wunderschöne Oxfordshire, wo die Gäste eine traumhaft historische Kulisse erwartete. Blenheim Palace ist eines der größten Schlösser Englands und wurde bereits im 18. Jahrhundert den Vorfahren des 1874 hier geborenen Winston Churchill für gewonnene Schlachten im spanischen Erbfolgekriegs von Queen Anne vermacht.
Aber Oxfordshire ist auch ein sehr beliebtes Jagdgebiet und eine wunderschöne „Country-Landschaft“, wie die Engländer sagen, und so verwunderte es nicht, dass der Laufsteg durch die vielen „State Rooms“ und Flure auch mit den Szenen von Parforcejagden bemalt waren. Das englische Landleben, die Tweeds, Hahnentritt Stoffe, bedruckte Seide – alles Elemente, die Christian Dior in seine weibliche Linie brachte und die noch heute zu den Codes des Hauses gehören.
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Bild: Adrien Dirand; Courtesy of Dior

Die Reise von Paris, der Heimat von Dior, nach Blenheim Palace war der Ausgangspunkt der Inspiration für Lucie Meier und Serge Ruffieux, die das Designteam des Hauses leiten. Der Nachkriegschic der englischen Society Ladys, die häufig alt und neu kombinieren und dazu derberes Schuhwerk als in der Stadt tragen, kombinieren Meier und Ruffieux mit Archivdetails von Dior. Schleifen und Bänder, die typisch für die frühen Kollektionen Diors sind oder auch den Drapierungen, die der Designer schon bei Lucien Lelong so gerne zeichnete.
Englische Exzentrik bildet die Basis für die spielerische Verbindung von ländlichen Blumenmustern und Drucken bei Kleidern. Patchwork, Damaste mit asiatischen Mustern oder afrikanischen Drucken zeugen von Einflüssen aus den ehemaligen Kolonien. Jagdszenen werden zu Jacquardstrick und die Farben, wie das Rot der Jagdjacketts und das typische ländliche Grün, sind genauso vertreten, wie Tweeds und Popeline, die man auch bei kühleren Temperaturen und dem wechselhaften Wetter tragen kann.
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Bilder: Dior
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Bilder: Dior
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Bilder: Dior
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Bilder: Dior
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Bilder: Dior

Bei den Proportionen wird viel mit Auflösungen und Dekonstruktion von alten Dior Entwürfen und Details gespielt, ähnlich wie es schon Raf Simons machte. Die Korsagen der legendären Dior-Abendroben werden verkürzt und zu sportlichen Hosen getragen und Jackendetails für Röcke verwandelt. Blazerkostüme in Kombination mit Faltenröcken wirken wie „aufgepfropfte“ Kleideroberteile und pur geschnittene Mäntel mit runden Ausschnitten werden in aufwendige Materialien, wie Leder oder auch Kaschmir, umgesetzt. Die Viktorianische Bluse mit Keulenarm wurde hingegen zum Seventies Satinrock verjüngt und das lässige Countrysakko über Layer-Kleidern in Materialmix geworfen.

Im Anschluss an seinen Landausflug in die englische Country Side eröffnet Dior noch am Freitag seine neue Boutique in der New Bond Street in London und in der dann ab November sicher viele Engländer ein Stück „very british Parisian Chic“ für ihr Wochenende auf dem Lande kaufen können …

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  • Julian
    2. Juni 2016 at 11:34

    Ganz, ganz toller Artikel – habe einiges dazulernen dürfen und bin beeindruckt von der Leidenschaft, die in jedem Satz mitklingt!❤

    Chapeau, mein Lieber!!

  • Siegmar
    2. Juni 2016 at 12:47

    Toller Artikel, ich wäre gerne dabei gewesen

  • Kempe Elke
    2. Juni 2016 at 14:38

    Du führst uns immer wieder intraumhafte Welten!

  • Ben
    2. Juni 2016 at 19:13

    Definitiv eine der besseren Kollektionen von Dior. Wer die nun entworfen hat, ist eigentlich auch egal 😉

  • Monsieur_Didier
    5. Juni 2016 at 15:09

    …wun-der-bar…
    da hätte ich gerne im Publikum gesessen…
    meinetwegen auch in der letzten Reihe, die Hauptsache dass…!

  • Gucci Cruise 2017 – Edwardian Trainspotting Chic | Horstson
    6. Juni 2016 at 11:13

    […] daraus, besonders in den „Leading 5“ der Modehäuser, also Chanel, Louis Vuitton, Dior, Prada und natürlich auch Gucci, eigenständige und umfangreiche Saisons […]