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Die wunderbare Welt des Walt Disney – Zeichentrick-Träume bei Taschen

(© 2016 Disney Enterprises, Inc.)

„Es macht Spaß, das Unmögliche zu tun“, sagte Walt Disney zu einer Zeit, als Computeranimationen und andere digitale Hilfe in etwa so weit entfernt lagen, wie die Pyramiden von der ersten Mondrakete. Die Filmindustrie steckte noch in den Kinderschuhen, der Tonfilm war die große Sensation Anfang der dreißiger Jahre.
Walt Disney war einer der kreativsten Köpfe des 20. Jahrhunderts und hat ein einzigartiges Universum der Fantasie erschaffen. Wie nur sehr wenige Kinoklassiker revolutionierten gerade seine Zeichentrickfilme die filmische Erzählkunst und verbinden bis heute alle Generationen und Kulturen. Lange vor dem Trend des Merchandisings und angeschlossener Entertainment-Industrie wusste er, dass Themenparks und der Verkauf von zusätzlichen Artikeln seine Vision in die Welt hinaustragen, seine Gedankenwelt global verbreiten und anfassbar machen. Jeder, egal aus welchem Jahrgang, kennt seine Filme und verbindet damit bestimmte Assoziationen und Erinnerungen. Eine Generation gibt es an die nächste weiter.
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Dumbo (1941); © 2016 Disney Enterprises, Inc.

Zeichentrickfilme wurden damals mit unvorstellbarem Aufwand gemacht, Hunderttausende von Folien mit Einzelzeichnungen waren nötig. Was heute mit einem Klick der Computermaus realisiert wird, bedeutete damals oft wochenlange Arbeit für ein ganzes Team von Zeichnern. Disney war Visionär und viele seiner Techniken bildeten später die Grundlage für digitale Arbeitsprozesse.

„Das Walt Disney Filmarchiv. Die Animationsfilme 1921–1968“ führt mit 1.500 Abbildungen und Essays namhafter Disney-Kenner ins kreative Herz des Studios während des Goldenen Zeitalters des Zeichentrickfilms. Das Buch verfolgt Disneys Weg von den Anfängen im Stummfilm über den ersten Langfilm Schneewittchen und Die sieben Zwerge (1937), das wegweisende künstlerische Experiment Fantasia (1940) bis zu den letzten unter Walt Disneys kreativer Leitung entstandenen Meisterwerken Winnie Puuh und der Honigbaum (1966) und Das Dschungelbuch (1967).
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Peter Pan (1953); © 2016 Disney Enterprises, Inc.

Nach einer umfangreichen Recherche in den Archiven der Walt Disney Company und zahlreichen Privatsammlungen, wählte Herausgeber Daniel Kothenschulte für diesen Band eine Fülle rarer Juwelen der Animationskunst aus. Concept Paintings und Storyboards lassen die Entstehung der Ideen nacherleben, meisterhafte Cel-Setups zeigen die berühmten Filmszenen in größter Detailtreue, während Werkfotos der Disney-Fotografen und Mitschriften der Konferenzen zwischen Walt und seinem Team detaillierte Einblicke in die aufwendige Arbeit der Walt Disney Studios geben.
Pinocchio, Fantasia, Dumbo, Bambi, Cinderella, Peter Pan, Susi und Strolch oder 101 Dalmatiner: Jedem der ganz großen Disney-Klassiker ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Daneben werden auch weniger bekannte Juwelen wie die experimentellen Kurzfilme der Silly Symphonies und die lange vernachlässigten musikalischen Episodenfilme wie Make Mine Music und Melody Time in gleicher Ausführlichkeit behandelt.
Beiträge renommierter Disney-Spezialisten wie Leonard Maltin, Dave Smith, Charles Solomon, J. B. Kaufman, Russell Merritt und Brian Sibley beleuchten die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen Films und würdigen die kreativen Köpfe, die Animatoren und Designer hinter den Kulissen, die den typischen Disney-Stil prägten. Darunter Albert Hurter, Gustaf Tenggren, Kay Nielsen, Carl Barks, Mary Blair, Sylvia Holland, Tyrus Wong, Ken Anderson, Eyvind Earle und Walt Peregoy.
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© Taschen Verlag

Das Buch ist nicht nur etwas für Disney-Kenner, es lässt Erinnerungen aufleben und führt einen an Filme heran, die man als Kind oder Jugendlicher nicht auf der Rechnung hatte. Das Dschungelbuch zum Beispiel war mein erster Kinofilm und noch heute kann ich mich an jede Sequenz erinnern und mitsprechen. Den Zauber und die Bedeutung von Fantasia erfasst man erst als Erwachsener. Der Film war der erste, komplett mit klassischer Musik unterlegter Trickfilm, der mit Effekten von Realität und Zeichentrick arbeitet und die Verknüpfung von Hochkultur und Zeichentrick symbolisiert.

Walt Disney ist Kult und der Einblick in die Zauberwerkstätten des genialen Mannes, der die Grundlage für einen gigantischen Medienkonzern legte, geht bis in die kleinste Einzelheit. Die Making-of-Geschichten und die ungeheure Detailverliebtheit lassen einen an vielen Stellen staunen und träumen.

Beim Stöbern fallen dem Leser viele Szenen wieder ein und man bekommt sofort Lust, die Filme zu schauen. Sicher hat jeder seine Favoriten: Eine der romantischsten Szenen der Filmgeschichte bleibt für mich immer das Pasta-Essen in Susi und Strolch. Alleine dafür bin ich Walt Disney auf ewig dankbar.
Eine Hommage an ein Jahrhundertgenie, die in jeden Bücherschrank gehört.

Das Walt Disney Filmarchiv. Die Animationsfilme 1921–1968
Daniel Kothenschulte, John Lasseter, Russell Merritt, Charles Solomon, Robin Allan, Didier Ghez, J. B. Kaufman, Katja Lüthge, Brian Sibley, Leonard Maltin
Das Buch ist ab Oktober 2016 erhältlich.
€ 150

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  • blomquist
    22. September 2016 at 16:24

    Das wäre ja auch ein hübsches Geschenk für mich…..
    😉