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Gesellschaft

Damenmode Gesellschaft

Leyla zeigt auf

(Bild: Courtesy of Lala Berlin)

Keine 24 Stunden ist es her, dass ich hier auf Horstson einen Artikel über die politische Lage in den USA veröffentlicht habe. Über Trumps Einwanderungsstopp habe ich nachgedacht, den ein oder anderen Gedanken versuchte ich festzuhalten. Schlag auf Schlag werden unsere Normen und Werten infrage gestellt – 2017, hello? Mit Familie, Freunden und Bekannten habe ich über das Thema gesprochen, habe diskutiert und immer wieder ans „Wachsam bleiben“ appelliert. Zwischendurch kamen bzw. kommen wir darauf zu sprechen, dass viele von uns auch einen Fluchthintergrund haben. Ein paar sind nicht mal hier geboren, können sich noch an nervenaufreibende Zeiten der Unsicherheit erinnern. Continue Reading

Gesellschaft

Kleidgewordene Abfuhr

(Tom Ford, 2009; Bild: Nicogenin;CC BY-SA 2.0)

Die amerikanische Bevölkerung hat gewählt, das ist vermutlich an niemanden vorbeigezogen. Donald Trump spuckt seitdem als designierter Präsident der Vereinigten Staaten durch Funk, Fernsehen und Internet. Soweit, so überhaupt nicht gut. Wie zu befürchten brach eine Welle der Empörung über Deutschland, Europa, ach was, die ganze Welt ein. Genauso schnell wie sie kam und uns allesamt nass machte, ebbte sie jedoch auch wieder ab. Mittlerweile wird bei dem Thema zwar noch standardmäßig der Kopf geschüttelt, aber selten mit erhobenen Zeigefinger Richtung Kopf getippt. „Hello, hello! Was ist bloß los, liebe Welt und Bürger?“, denke ich mir und kann es noch immer nicht fassen. Keinesfalls in arroganter Haltung, vielmehr in Hinblick darauf, dass ich versuche, die Wählerschaft zu verstehen. Den Entscheidungswillen der Amis sollte man nicht infrage stellen und statt resigniert zu verdrängen – Schlagzeilenstellenwerte à la Lombardi-Doku statt Nachrichten von Übersee zeigen das mehr als deutlich –, sollte man nach Ursachen für die Ängste der Bürger forschen. Schließlich stehen auch bei uns Wahlen an, mir bibbert es vor 2017. Ich übe mich im Schockstarre vermeiden und Ursachensuchen, Nachahmen gewünscht! Continue Reading

Gesellschaft

Wo kann man Drogen kaufen?

(Courtesy of Isaiah Lopaz)

Wie gerne würde ich sagen, dass ich keine Vorurteile habe, doch das wäre gelogen. Ich habe sie; wenn auch nicht bewusst, doch sie sind da, obwohl sie eigentlich gar nicht da sein dürften. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass mir ein Vorurteil durchs Gehirn schießt, und würde am liebsten sofort im Erdboden versinken. Doch so einfach geht das natürlich nicht. Also bleibt dann nur, sich zu hinterfragen, zu reflektieren und zu versuchen, dem Vorurteil auf den Grund zu gehen und sie über Bord zu werfen. Das klappt mal mehr, mal weniger und macht vielleicht auch den Menschen aus. Das ist vielleicht lustig, zumindest wenn es um Kleinigkeiten geht. Vielleicht arbeiten sämtliche Anzugträger gar nicht von Nine-to-Five in langweiligen Büros? Ab einem gewissen Grad ist es aber nicht nur strunzdoof, sondern brandgefährlich, sich in diesem gleichermaßen schwierigen und schmierigen Gefühl der Vorurteile zu laben. Ihr wisst, was ich meine. Continue Reading

Gesellschaft

Ein (Fashion)Nachmittag in Paris

(Zeichnung: Patrick Vollrath)

Als wir 2002 nach Paris gezogen sind, um dort unser Designbüro zu etablieren, waren wir recht arm. Wir hatten kaum mehr, als unsere Jeans am Leib, den Hund unter dem Arm und ein Mini-Appartement mit knapp 38 qm, das unsere Wohnung und unser Büro war (und noch immer ist).
2002 war eine Zeit des Umbruchs. Alles war neu und alles war aufregend. In Paris lernte man schnell neue Leute kennen und es war immer etwas los. Man vergass rasch, dass man eigentlich kein Geld hatte und im Grunde genommen brauchte man für die wirklichen tollen Dinge eigentlich auch wenig. Meist genügte eine Busfahrkarte nach Saint-Germain in die Grande Épicerie du Bon Marché um vorzüglich zu essen. In den einzelnen Abteilungen der Épicerie gab es Probierstände und nach der zweiten Runde hatte man die besten Köstlichkeiten der Stadt probiert und war satt. Besonders vor Ostern war es immer eine Freude, denn es wurden einem viele Süßigkeiten, wie z.b. frischgemachte Trüffel zum Probieren angeboten. Continue Reading

Gesellschaft Pride

„In der Ferne tuten die kleinen Signalhörner und melden daß eine Sprengung in der Schlucht bevorsteht*

(Bild: Screenshot; Leipziger Studie „Die enthemmte Mitte„)

Ein lieber, schwuler Freund von mir beklagte sich vor einiger Zeit, dass ihm Facebook zu politisch wurde und ihn das nervt. Kaum war der Amoklauf eines Geisteskranken in Orlando bekannt, überschlugen sich seine Postings und er wurde innerhalb von Stunden, ach Quatsch, Minuten zum Queer-Aktivisten. So ganz sicher bin ich mir nicht wie lange das anhält, aber ich gehe ja immer vom besten Fall aus. Ich würde mich aber auf jeden Fall freuen wenn jetzt der Groschen gefallen ist und er merkt, dass gerade wir als Schwule die Fresse aufmachen müssen und Stellung nehmen. Continue Reading

Gesellschaft

Fashion Revolution Week – 18. bis 24. April 2016

Wasser predigen und Wein trinken – so könnte man die Heuchelei beschreiben, die pünktlich zur Fashion Revolution Week wieder weltweit auf Blogs und Magazinen losgetreten wird. Mit einer Träne im Knopfloch wird darüber berichtet, unter wirklich gar keinen Umständen Kleidung zu kaufen, die nicht mindestens komplett politisch korrekt hergestellt wurde. Ein paar Beiträge später zeigt sich dann die Zwickmühle, in der die Akteure stecken: Der Werbekunde und die immer hungrigen Leser müssen befriedigt werden. Ein neues Tagesoutfit muss her, die Seiten des Magazins müssen gefüllt werden. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Die einzige logische Konsequenz wäre es aber, keine Trends zu propagieren, sondern seinen eigenen Stil zu kreieren, mit Teilen, die nicht willkürlich konsumiert werden und nach drei Wäschen im Müll landen. Die Qualität eines Shirts im Wert von 20 Euro ist eben nicht immer waschmaschinentauglich … Continue Reading

Gesellschaft

Ein letztes Salut aus Südfrankreich

Salut, au revoir, salut – Meine Zeit in Frankreich neigt sich dem Ende zu und ich bekomme langsam aber sicher Torschusspanik in Sachen „Ausflugszielerweiterung“. Nachdem ich die letzten Wochen(enden) abwechselnd an der Küste oder in den Bergen zugegen war, möchte ich euch heute ein letztes Mal mit Tipps für das Landesinnere versorgen. Zudem komme ich wegen meiner neuen Selekteur-Errungenschaft (hier und hier gibt’s bereits Artikel über das Store-Konzept aus Düsseldorf) auf das Bomberjackenklischee zu sprechen, dass mich selbst bis in den südlichsten Zipfel des Nachbarlandes verfolgt. Continue Reading

Gesellschaft News

Armani wird pelzfrei

Marderhund auf einer finnischen Pelzfarm; Bild: © VIER PFOTEN

Man muss schon ein hartgesottenes Gemüt haben, wenn man Pelz kauft und auch noch trägt. Und dennoch: „Pelzbesatz gibt auch Hetero-Männern die Möglichkeit, sich mal wie eine Diva zu fühlen“, wie ein Leser mal sehr treffend formulierte. Ein Großteil der Pelze, die in der Modeindustrie verwertet werden, kommen von Pelzfarmen. Hier werden Tiere in engen Käfigen gehalten und mit grausamen Methoden getötet, die den Pelz nicht beschädigen sollen – wie Vergasung oder Stromschläge. Hinzu kommt, dass bei der Pelzverarbeitung gefährliche Chemikalien zum Einsatz kommen, welche die Umwelt schwer belasten und die Gesundheit der Menschen gefährden können. Vom schlechten Gewissen wegen des Wissens ganz zu schweigen. Nun will ich nicht moralingetränkt große Reden schwingen, denn erstens seid ihr alle alt genug und zweitens sieht es bei den Herstellern der ach so beliebten Billigmode nicht wirklich anders aus – nur das dort eben keine Tiere sondern Menschen ausgebeutet werden … Continue Reading

Gesellschaft

Behindert

B. Wright; Bewohner in John Langdon Downs Fördereinrichtung Normansfield ca. 1899/1900; © Surrey History Centre

Mongos, Spastis, Krüppel … Es gibt viele Begriffe, mit denen sich Menschen mit Behinderung auch heute noch auseinandersetzen müssen. Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass das Wort „behindert“ mittlerweile als Allzweckbegriff für alles Schlechte benutzen wird. Spricht man denjenigen an, der sie als Schimpfwörter im Munde führt, ist es auf gar keinen Fall böse gemeint, man habe es nur falsch verstanden. Ich verstehe. Nicht. Continue Reading

Gesellschaft Kunst Lookbook

Less is More: Die „Invisible“-Kollektion von Arkadius

Bild: © Pawel Tkaczyk; Courtesy of Arkadius

„Fashion is not something that exists in dresses only.
Fashion is in the sky, in the street,
Fashion has to do with ideas, the way we live, what is happening.“ Coco Chanel.

Kann man mit nichts gegen zuviel demonstrieren? Ja, man kann. Die Entwürfe des polnischen Designers Arkadius sind ein politisches Statement – und das, obwohl er im Grunde genommen nichts entworfen hat.
Die „Invisible“-Kollektion versteht Arkadius als Protest gegen den Konsum, der allerorts gepriesen wird – egal, ob es sich um Kleidung von Textildiscountern wie „H&M“ und „Zara“ handelt, oder um Highfashion-Labels, die Designer und Kunden verheizen. Die logische Folge wäre eine Reduzierung des zum Teil gleichermaßen wahl- wie stillosen Textilkonsums. In letzter Konsequenz wäre es dann der komplette Verzicht auf Klamotten. Less is more! Continue Reading