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Burberry: Saisons sind last season

Burberry Womenswear S_S16 Show Finale
Bild: Burberry

Der Schauenkalender des Prêt-à-porter ist klar gegliedert: Im ersten Quartal des Jahres wird die Herbst/Winter-Kollektion gezeigt, die ab August in die Läden kommt und im dritten Quartal die Sommermode des folgenden Jahres. Männer und Frauen werden fein säuberlich voneinander getrennt, auch wenn seit einigen Jahren zu beobachten ist, dass die Looks aus der jeweils anderen Kollektion miteinander korrespondieren und ab und zu auch mal ein Mann bei einer Frauenschau mitläuft.

Der Grund für den Vorlauf liegt auf der Hand: Die Einkäufer können ihre Orderlisten zum jeweiligen Label schicken, die dann entsprechend der Bestellungen produziert werden – die Gefahr, auf Teilen der Kollektion sitzen zu bleiben, kann so minimiert werden. Einigen Entwürfen ereilte aber auch das Schicksal, gar nicht erst in Produktion zu gehen, da sie nicht das Herz des subjektiven Einkäufers erobern konnten.
Auch wenn einem Instagram & Co. vorgaukeln wollen, dass man eine Tasche für 2.000 € im Vorbeigehen kauft, einmal trägt und sie im Anschluss in den Tiefen des Kleiderschrankes verschwindet – in der Realität wurde sie aber nur von der Firma zur Verfügung gestellt und das Socialmedia-Sternchen konnte für wenige Stunden so tun als ob! – sparen einige Kunden tatsächlich noch und freuen sich dann, wenn das Objekt der Begierde endlich im Laden hängt.

Doch nicht nur der Endverbraucher kann die Zeit nutzen – auch die Kopisten und Highstreetlabels sind nicht untätig und lassen sich kräftig von den Schauen der großen Designhäuser – nun ja – „inspirieren“. Dank minderwertiger Qualität und schlechten Arbeitsbedingungen hängen dann traurige Gucci-Fakes binnen weniger Tagen auf den Plastikbügeln billiger Textildiscounter. Der Trägerin ist es eh egal, kann sie sich doch als Modekennerin ihren 735 Instagram-Fans präsentieren. Von der Tatsache, dass ganz andere den wahren Preis für die Mode zahlen, ganz zu schweigen

Burberry wirft jetzt das komplette System um. Zukünftig wird es bei dem britischen Label nur noch zwei Schauen im Jahr geben: eine im Februar und eine im September, bei denen jeweils die Mens- und Womenswar gezeigt wird. Doch das ist nicht die einzige Änderung: Alle Looks werden direkt nach der Show erhältlich sein (im Store und auf Burberry.com) und es wird auch keine Einteilung mehr in Spring/Summer und Autumn/Winter geben – der Kundenkreis wurde in den letzten Jahren internationaler und jahreszeitenunabhängiger. Fakt ist: Irgendwo auf der Welt ist immer Winter oder Sommer.
Christopher Bailey, Creative Director des britischen Labels, erklärt: “The changes we are making will allow us to build a closer connection between the experience that we create with our runway shows and the moment when people can physically explore the collections for themselves. Our shows have been evolving to close this gap for some time. From livestreams, to ordering straight from the runway to live social media campaigns, this is the latest step in a creative process that will continue to evolve.”

Ehrlich gesagt bin ich gespannt, ob sich diese Idee durchsetzen wird. Vorfreude ist doch eigentlich die schönste Freude, oder?

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  • Siegmar
    5. Februar 2016 at 16:25

    die Entscheidung finde ich richtig, das reduzieren auf 2Shows ebenfalls, mittlerweile gibt es einfach zu viele Shows und auch Kollektionen.

  • PeterKempe
    5. Februar 2016 at 18:56

    Das werden bald alle machen, denn die Kosten und die sinkenden Umsätze sind nicht mehr zu vereinbaren und die große Anzahl von Kolkektionen braucht kein Mensch. Entschleunigung die erste Klappe – sehr vernünftig! Bravo!

  • Tim
    5. Februar 2016 at 21:37

    An Zara denkt wieder niemand 😉