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Buchtipp: Andy Warhol. Polaroids

Andy Warhol, 1970; © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

15 Minuten Ruhm … Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht einige Jahre eher zur Welt gekommen bin. Anfang der 50er Jahre hätte in diesem speziellen Fall gereicht. Denn dann wäre ich 1972 schon in einem Alter gewesen, um mich in der „Galerie in der Milchstrasse“ in Hamburg für relativ kleines Geld mit Bildern von Andy Warhol eindecken zu können – Gunter Sachs widmete dem Künstler, der damals als überaus talentiert galt, eine Ausstellung*. Die vornehmen Pöseldorfer sahen es anders: sie kamen zwar zahlreich, kauften aber so gut wie gar nichts. Weil es Sachs unangenehm war, dass keiner Warhols Arbeiten haben wollte, kaufte er ein Drittel der Exponate heimlich selbst. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte …
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Yves Saint Laurent, 1972; © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

Fasziniert von Andy Warhols Kunst, seiner Person, der „Factory“ und der skurrilen Entourage, fing ich an, mich immer mehr mit ihm zu beschäftigen, Ausstellungen zu besuchen, Biografien zu lesen und Fotobände zu kaufen. Zu der stattlichen Sammlung kam vor wenigen Tagen ein nagelneues Exemplar in XL-Format aus dem TASCHEN Verlag dazu: „Andy Warhol. Polaroids“.
Das Werk zeigt auf 560 Seiten Portraits von Stars, Stillleben und Landschaftsbilder, meist ganz spontan und ungeschönt, aber alle mit Warhols Polaroid-Kamera aufgenommen: „Ein Foto bedeutet, dass ich von jeder Minute weiß, wo ich war. Deshalb mache ich Fotos. Das ist eine Art visuelles Tagebuch.“ Visuelles Tagebuch? Klingt fast wie Instagram. Nur sind Fotos bei Instagram keine Kunst, meist sind sie noch nicht einmal sonderlich ästhetisch. Sie sind in erster Linie Schnappschüsse. Zwar sind das die Polaroids von Warhol auch, allerdings die eines Profis. Nur weil man in seinem Handy eine Kamera hat, ist man eben noch lange kein guter Fotograf …
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Andy Warhol, 1972; © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

Ich blättere nun schon seit Stunden schmunzelnd durch das Buch und bin mir sicher, dass es mich auch in der Zukunft immer wieder fröhlich macht. Doch kommen wir noch einmal zu den 15 Minuten, die jeder berühmt sein wird, zurück: Im Gegensatz zu den Bildern bei Instagram sind Warhols Polaroids ungeschönt und ganz ohne Filter und Photoshop. Und den abgebildeten Personen werden nicht einfach weggescrollt – sie sind allesamt länger berühmt, als 15 lächerliche Minuten …
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Andy Warhol. Polaroids; Bild: © TASCHEN

Andy Warhol. Polaroids
Richard B. Woodward, Reuel Golden
TASCHEN Verlag
Hardcover, 560 Seiten
Mehrsprachige Ausgabe
€ 74,99

*Vor einigen Tagen bin ich auf eine sehr unterhaltsame Reportage über das Hamburger Quartier Pöseldorf aus den Siebzigern gestoßen. Mit dabei: die Ausstellung, die ich oben erwähnt habe …

Hamburg-Pöseldorf

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  • Siegmar
    17. August 2015 at 10:29

    ganz großes Kino, ich habe vor kurzem nochmal sein Tagebuch gelesen ( Verlag: Droemer Knaur 1989 ) wunderbar, hat mal fast 100 Dm gekostet, bekommt man jetzt bei Amazon für 16 €. Das Buch selbst ist schon sehr schön anzusehen.

  • Monsieur_Didier
    17. August 2015 at 11:20

    @ Siegmar: …wunderbar, das habe ich auch und lese immer wieder gerne daran…

    das Polaroid-Buch interessiert mich sehr, ich werde mir das mal im Buchhandel anschauen und dann auch dort kaufen, wenn ich überzeugt bin… 😉

  • Siegmar
    17. August 2015 at 15:13

    Monsieur-Didieer
    ich glaube wir haben schon mal bemerkt, dass wir beide das Buch besitzen. Ich finde die Aufmachung schon toll. Ich kaufe auch nicht gerne bei Amazon, ich war nur sehr überrascht das Buch für den Preis dort zu finden. Leider sieht man es in Antiquariat nie.

  • Philipp
    17. August 2015 at 15:19

    Wunderbare Empfehlung! Ich liebe die TASCHEN-Bücher und würde am liebsten alle vorangegangenen und kommenden Bücher mein Eigen nennen! 😀

  • Tim
    17. August 2015 at 16:27

    Gute Empfehlung.
    Übrigens ist Pöseldorf heute leider nicht mehr das was es mal war.

  • Chuck Taylor All Stars x Andy Warhol | Horstson
    19. August 2015 at 09:49

    […] Art trifft auf Schuh-Klassiker. Vor einigen Tagen stellten wir Euch hier “Andy Warhol. Polaroids” vor – ein Bildband, der sich auf 560 Seiten Warhols […]