Nur kein Neid, liebe LeserInnen.
Einige der für mich nervigsten Deutschen sind nun auch noch dünn und haben mit ihrem überschaubaren Talent Millionen verdient. Das Fernsehen nährt seine Kinder. Ganz besonders die, die auch abseits ihrer Arbeit das gefräßige Maul des Boulevards mit leicht ver- daulichem Futter stopfen und von Talkshow zu Talkshow tingeln. So wie im Moment die unsäglich langweilige Schau- spielerin Christine Neubauer, die das mit zehn Millionen kolportierte Vermögen vor dem Zugriff ihres Noch-Ehemanns Norbert Dinzinger durch das gezielte Nähren des Gerüchtes – er hätte während der Ehe ein Kind mit einer anderen bekommen – schützen wollte. Zuerst mussten wir uns zur Promo-Hochsaison zehn Jahre lang erklären lassen, warum die Neubauer das Vollweib mit Kurven sein wollte, dann kam die neue Liebe und ein Vertrag mit einer nicht unbekannten US-Diät-Company und das neue dünne Vollweib-Gefühl, dessen innere Stimme der mit zehn oder fünfzehn Kilo weniger aber immer noch gleich nervigen Neubauer einflüsterte, gibt noch mal richtig Gas und hol den letzten Tropfen Saures aus der schon hundertmal ausgequetschten Zitrone raus. Das bringt dich gefühlte dreimal an vierzehn Tagen mit exakt derselben Nullaussage ins Fernsehen, weil Frauke, Natascha & Co-Kolleginnen zuhause auch hungrige Mäuler zu versorgen haben. Und die TV-Kolleginnen, die man auch irrtümlich Schauspielerinnen nennt, machen das ja auch
Frau Thomalla, die Ex von Rudi Assauer hatte auch noch nie was Interessantes zu sagen und wiederholt dieses Nichts eben immer wieder. Rund um schreckliche schöne Playboy oder Yellow-Press-Shoots und ihre TV-Klamotten. Damit hat sie sogar ihre Tochter zuerst ins Gerede und dann dick ins Geschäft gebracht. Nun ist die ganze nervige und vulgäre Familie im TV, nur Rudi fiel rechtzeitig hinten raus, bevor man sich mit ihm nicht mehr blicken lassen konnte. Das ist im Fernsehen so ähnlich wie früher bei Opel in Bochum, mehrere Generationen einer Familie schafften dort. Na gut, die haben zumindest den Beruf gelernt und immerhin Autos gebaut, mit denen man fahren konnte …
Gerade hat es Ursula Carven auf meine Liste geschafft. Diese Frauen über vierzig, die einem dann mit feuchten Augen in aller Breite gaaaaanz langsam erklären, dass sie noch nie so eins mit sich waren und drum nur ein Playboy-Shoot diesem himmlisch selbstzufriedenen Gemütszustand gerecht werden konnte, die nerven einfach nur noch. Hat sich Pamela Anderson etwa schon mal hingestellt und was esoterisches daher geblubbert, um sich, ihren Kindern und der Welt zu erklären, warum sie wieder nackt im Playboy ist. Des Geldes wegen, was sonst, liebe Frau Carven.
Aber die Carven redet zumindest leise. Die wirklich lebensgefährlich nervigen Deutschen, weiblich und männlich, brüllen auch noch, sind schmierig wie die Vorarbeiter einer Drückerkolonne oder leiden unter einer Art Grinse- und Dauerlächeln-Tourett. Im Sonderangebot, eigentlich schon auf meinem Grabbeltisch für unverkäufliche Restposten: Sonia Zietlow, für die ich mich schon bei ihrem ersten Die 25. Irgendwas Tolles fremd geschämt habe, vom Dschungelcamp wollen wir da erst gar nicht reden. Da wird es dann tragisch, mit dem zumindest für Moderation im TV des 21. Jahrhunderts untauglichen Dirk Bach.
Ich war drei Wochen am Stück hier und habe minutenlang Trash-TV geguckt, um dem einen oder anderen facebook-Eintrag zumindest irgendwie geistig oder inhaltlich folgen zu können. Dabei ist mir dann blitzartig aufgefallen, wie übel mir von diesen Tränen-und-Herzschmerz-TV-Tanten wie Inka Bause und Vera In Veen wird. Seit wann wird solcher Moderations-Müll mit Primitivtext auf gepeppt und gesendet? Gibt es etwa unter 82 Millionen Deutschen niemand besseren, der seinen Beruf beherrscht und sowas charmant, modern und mit Esprit machen könnte?
Oh ja, gibt es schon. Das sieht man ja an Stern TV. Steffen Halaschka ist Journalist und kein frühzeitig gealterter Selbstdarsteller wie Jauch. Oder noch schlimmer. So einer wie Gottschalk. Oder Bohlen. Da hat doch bloß einer vergessen, die Rentenbescheide an diese Leute rauszuschicken, denen die Gnade der frühen Geburt den Einstieg in das Fernsehen des Lernens während der mehr als fürstlich bezahlten – bei einigen schon über Jahrzehnte gehenden Ausbildung – sicherte.
Was heute in der Wirtschaft schier unmöglich ist, ohne Substanz und beste Abschlüsse oder mit bescheidenen Talenten was zu werden, das klappt bei den Medien immer noch. Movie-Movies werden teuer von den immer selben Produktionsfirmen und Casting-Agentinnen mit Vroni Ferres und anderen Frauen besetzt, die alles sind, nur keine guten Schauspielerinnen. Und manchmal will es das Schicksal dann noch härter für uns kommen lassen und eine sterbenslangweilige Soapmaus wie Alexandra Neldel wird durch das Drehbuch zweier schreibbekloppter Groschenroman-Schreiber, die ich bei ihrem ersten TV-Auftritt irrtümlich für Messies hielt, zur Wanderhure und nun heiß als die Schauspielerin und legitime Nachfolgerin von La Ferres gehandelt. Das ist Slapstick pur. Ich hab‘s ja immer schon gesagt, Komik zählt zu den Kernkompetenzen der Deutschen. Neben Fußball und den besten Autos der Welt, obwohl ich schwören könnte, diese Art von schrägem Humor ist noch weiter verbreitet, als torsichere Ballkönige und Engeneering-Genies.
Schmerzbefreit nennt man das, wenn eine Nation von wirklichen Könnern mit traumwandlerischer Sicherheit immer die schlimmsten Typen und unerträglichsten Waschweiber in die erste Reihe holt und allen herzeigt. Das hat für mich was von einer ungesunden Zeigefreudigkeit und der Freude am Trash, wenn die kluge Anne Will ausgerechnet den mehr als umstrittenen Lobbyist Moritz Hunzinger einlädt, der dann dem Armutsforscher Christoph Butterwegge an den Kopf knallt, die Linke wäre für ihn mindestens genauso schlimm wie die NPD, da sehe er keine Unterscheid. Der war aber Mitglied der SPD, die Linke zählt zum Spektrum demokratischer Parteien und Anne Will beherrscht es wohl leider nicht, einen unverschämten Lümmel und Hitzkopf wie Hunzinger einfach hochkant aus der Sendung zu schmeißen. Zu sagen hatte der sowieso noch nie etwas, das die Welt glücklich macht.
Man könnte die Liste der Daisy-Aufreger über nervige und peinliche Deutsche schier endlos fortsetzen. Die vermehren sich außerhalb und in ihren Familien wie die Kaninchen, auch wenn es wie bei Lothar Matthäus gerade keinen Nachwuchs gibt. Liliana hat es ja schon ins Fernsehen geschafft und es musste ja auch höflich Platz für Sportlerkollege Boris Becker und seinen ältesten Filius und die Ex-Frau und deren Beziehungsende nach nur zwei Jahren Ehe geschaffen werden. Der Filius macht neuerdings in Mode und die Ex hatte kurzzeitig überlegt, von Fischer Island nach Berlin zu ziehen. Wenn das mal keine Breaking News waren, für die es lohnte, die Warteschlange der Nervensägen mit kleinen Giveaways bei Laune zu halten.
Wir haben uns neben den schon erwähnten Herrschaften immerhin auch um das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom von so aufregenden Leuten wie Charlotte Roche, Sylvie Van der Vaart, Motzi Mabuse, Heidi Klum, Daniela Katzenberger, Gina Lisa Lohfink, Barbara Schöneberger, Annemarie Warnkross, Judith Holofernes, Michaela Schäfer, Mario Barth, Paul Janke, Markus Schreyl, Hape Kerkeling, Alexander Dobrindt, Rolf Scheider, Bruce Darnell, Detlef D Soost, Rainer Kalmund, Eckhard von Hirschausen, Harald Glööckler und vielen, vielen anderen mit ungeteilter Aufmerksamkeit und viel Fanliebe zu kümmern.
Sonst werfen sich die am Ende noch gemeinschaftlich in einem TV-Star-Flashmob, den alle Sender außer 3Sat und ARTE zeigen, wie ungezogene kleine Kinder auf den Boden, zappeln mit den Füßen und schreien wie am Spieß … bitte lieber nicht.
Da gucken wir doch besser freiwillig das Promi-Special der Styling-Queen auf VOX, das uns gleich vier Weltstare wie Model Fiona Erdmann, Schauspielerin Gerit Kling, Jurorin und Moderatorin Fernanda Brandao sowie Promi-Mutter Natascha Ochsenknecht beschert, die vom Stardesigner Guido Maria Kretschmer die knifflige Aufgabe gestellt bekommen, sich für „Das erste Date mit George Clooney“ zu stylen … das keine dieser mehr oder weniger liebenswürdigen Schrapnellen je haben wird.
Ist das denn so schwer zu verstehen, was an tollen Leuten wie Clooney wirklich so toll ist? Nicht das Aussehen, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Der nervt nie rum, bleibt cool und freundlich, beherrscht seinen Beruf, macht seine Arbeit, ohne uns mit wenig aufregenden Geschichten aus seinem Privatleben zu belästigen und er ist klug, smart und hat Charme und Esprit und mehr wollen wir doch auch von euch gar nicht, ihr langweiligen und nervigen Nasen.



