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20. August 2011

Allgemein

Modisches Promillerechnen

Ihr könnt es von der Weltbevölkerungsuhr ablesen: In wenigen Tagen leben auf unserem Planet sieben Milliarden Menschen. Das sind neun Nullen hinter der Sieben und wer mag, kann sich auf der Website www.weltbevoelkerung.de ansehen, wie schnell es acht, neun und zehn Milliarden sein werden. Mit einer enormen Zunahme all der Probleme, die wir heute schon ungelöst haben. Diese haben entgegen dem flüchtigen Eindruck, den man auf Modeblogs gewinnen könnte, nichts damit zu tun, ob es ein Paar Chucks noch in meiner Größe gibt, welche Farben den Designern für die kommende Saison vorschweben und so weiter.

Es bringt zwar nichts, mir die Bedeutungslosigkeit meiner modischen Gedanken vor Augen zu führen und die Bedeutung von Designermarken und deren Kollektionen zu relativieren. Darüber nachzudenken, dass es sowas wie Modeblogs, die einen täglich über die Dinge informieren, die man dann ohnehin nicht kauft, nur gibt, weil modisch interessierte Menschen Zeit und Lust haben, zu lesen und zu erfahren, was sie zum weitaus überwiegenden Teil auch nicht kaufen und ohnehin nicht vermissen, weil der Kleiderschrank voll ist und viele Leser auch ohne Modevorschläge auf Modeblogs wissen, was sie wollen. Ab und zu muss ich das aber tun.

Das geht aber nicht in Richtung konsequentem Verzichts auf alles Schöne und Wertige, es rüttelt mich nur zurecht, um weiterhin nicht zu viel Zeugs einzukaufen. Es hat lange gebraucht, bis ich das gelernt hatte, dass mein Leben durch noch mehr Miyake und Mouret nicht schöner wird. Dass die meisten Menschen, die mir selbst in Großstädten begegnen, ohnehin nicht wissen, was ich da gerade trage. Zum Glück. Mode ist eine wundervolle Option, sich selbst und anderen mit dem Tragen von guten Stücken Freude zu bereiten, aber auch nicht mehr. Bekleidung brauchen wir in unseren Breiten, auf Mode können wir zurückgreifen, aber so viele Menschen leben auch gut und glücklich, ohne Key-Pieces und Co.

Ich weiß es nicht, aber wahrscheinlich landen wir im niedrig einstelligen Prozentbereich, wenn wir versuchen, rauszufinden, wie viel Prozent der Weltbevölkerung schon mal was von Giorgio Armani gehört haben. Vom Besitz eines Teiles aus seinen Kollektionen ganz zu schweigen. Wenn wir uns dann Marken wie Monki zuwenden, dann landen wir schnell in der Homöopathie, könnten selbst mit viel Geld und bester Marktforschung nicht mehr rausfinden, wie wenig Menschen auf dem Globus davon wissen, das es das Label gibt. Sehr wahrscheinlich findet das, was wir als Schreiber auf Modeblogs so vorstellen, überhaupt erst hinter dem Komma statt. Was uns nicht die Freude daran nimmt, genau das weiter zu tun, über Mode und etwas mehr zu berichten. Aber ohne jeden Zeigefinger will ich mir anlässlich der Feier von sieben Milliarden Menschen auf dem Globus die Freiheit nehmen, mir Luft zu machen und Leute mit Kleiderschränken wie Anna Dello Russo oder Paris Hilton, oder, oder, oder einfach total durchgeknallt zu finden.

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Midnight in Paris – Woody Allens Traum

Horstson Leser kennen ja die gewisse Vorliebe von Daisydora und mir für die Stadt der Mode und der Liebe – Paris. Deswegen kommt uns dieser Film auch ganz recht daher und wir berichten gleich darüber.
‚Midnight in Paris‘ von Groß- und Altmeister Woody Allen. Gerade in neuer deutscher Übersetzung erschien Hemingway’s Roman „Paris ein Fest fürs Leben“, ein Roman der lange vergessen in einem Koffer im Hotel-Ritz lagerte, bevor Hemingway ihn 1961 veröffentlichte und der sein Leben als junger Schriftsteller im Paris der zwanziger Jahre beschreibt, in einer Zeit als Scott Fitzgerald (Der große Gatsby) und James Joyce und viele andere Intellektuelle Montparnasse und St.Germain bevölkerten, Gertrude Stein den Ton angab und Shakespeare und Co. die berühmteste Buchhandlung der Welt war. Der Roman war einer der Auslöser meiner Paris-Sucht und der abschließende Satz „Paris bleibt immer Paris, egal wo wir leben und uns aufhalten es wird immer in unserem Herzen sein und sich nie ändern“ hat mein, ich gebe es zu, teilweise von Klischees durchsetztes Paris-Bild nachhaltig beeinflusst.

Woody Allen liebt die europäische Kultur und nach Rom, Venedig und anderen europäischen Großstädten spielt sein neuester und bereits in Amerika als Kassenschlager gelaufener Film nun in der schönsten Stadt der Welt: Paris.
Eindrucksvolle lange Sequenzen holen uns in die Stadt genau mit den Bildern die wir sehen wollen (und die die Amerikaner für das wahre Paris halten) endlose Kamerafahrten über die Seine, dass Grand Palais den Louvre, St.Germain. Man ist sofort da in dieser wunderbaren Stadt und man wird mit allen Schönheiten bedient.

Die Handlung führt einen jungen, mäßig erfolgreichen Drehbuchautor mit seiner jungen Verlobten und seinen Schwiegereltern in die Stadt. Dieser will einen bedeutenden Roman wie Hemingway oder Fitzgerald schreiben. Nur dumm, dass nichts aus der Feder kommt und er will eigentlich durch die Inspiration dieser Reise und der Stadt die Feder ans Laufen bringen.
Eines Nachts geht er in seiner Traumstadt spazieren und da passiert das Unglaubliche: ein Oldtimer hält an einer Straßenecke und Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda sitzen darin und entführen ihn an einen Ort, in dem das ‚Roaring Twenties Paris‘ tanzt.Er kommt immer tiefer in diese Welt hinein und Nacht für Nacht muss er dort hingehen. Er lernt Gertrude Stein kennen, Salvador Dali… Die Feder fließt natürlich und der Roman beginnt beim Schreiben zu funktionieren aber er entfernt sich immer mehr vom realen Leben, seiner jungen Frau und seinen Schwiegereltern…

So und da ich will, dass ihr in den Film geht, der alle Paris Klischees bedient, der eine wechselnde Szenerie von dem Paris, dass in meinen Träumen, der Phantasie von Woody Allen und der Hemingway Zeit spielt, wird nicht mehr verraten. Eigentlich ist es aber auch noch eine Liebesgeschichte aber das vergisst man manchmal ob des überragenden Dekors.

Soviel sei verraten: Adrien Brody als Salvador Dali hat die lustigsten drei Minuten seiner Filmkarierre. Tja und dann gibt es dann ja auch noch irgendwann Carla Bruni als Rodin Expertin….

Früher hätte es geheißen: Prädikat besonders sehenswert!! Und Paris bleibt immer Paris. Kino wie es sein soll eintauchen in eine andere Welt – Woody Allens Traum von Paris